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Im Rückblick: Unsere meistgelesenen Blog-Beiträge

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Am Anfang standen 249 Seiten Papier und die Initiative von Angelika Zahrnt und Irmi Seidl. Die Wirtschaftswissenschaftlerinnen lieferten mit ihrem 2010 erschienenen Buch „Postwachstumsgesellschaft – Konzepte für die Zukunft“ den Anstoß für den Blog Postwachstum, auf dem die in dem Buch begonnenen Debatten fortgeführt und vertieft werden sollten. Am 6. Oktober 2010 ging dann bereits der erste Artikel auf dem Blog online.

Elf Jahre und mehr als 900 Beiträge von über 400 Autor/innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik später versteht sich der Blog noch immer vorwiegend als Ideenwerkstatt für eine wachstumsunabhängige Gesellschaft. In der Diskussion und im Austausch miteinander entwickeln wir konkrete und abstrakte Visionen sowie Gestaltungsideen für eine Postwachstumsgesellschaft.

Seit dem über ein Jahrzehnt zurückliegenden Startschuss für den Blog ist gesellschaftlich und wissenschaftlich viel passiert, wie Irmi Seidl und Angelika Zahrnt in ihrem Rückblick festhalten. Auch die Debatte auf dem Blog wird zunehmend breiter geführt – kaum ein postwachstumsbezogenes Thema haben unsere vielfältigen Autor/innen nicht betrachtet, kaum eine Position ist bisher nicht zur Sprache gekommen. Und doch bleibt in gesellschaftlichen Arenen noch viel zu tun und auf dem Blog viel zu diskutieren.

Mit Blick zurück kristallisieren sich dabei Artikel heraus, die den Diskurs maßgeblich mitbestimmt, rege Diskussionen auf dem Blog und darüber hinaus ausgelöst haben oder aus anderen Gründen besonders beliebt bei unseren Leser/innen waren und sind. Zeit, einen Blick auf die erfolgreichsten Blog-Artikel zu werfen: Welche Beiträge zählen inzwischen zu unseren Klassikern, welche haben besonders viele Menschen erreicht?

Quo vadis, Kapitalismus und Postwachstum?

Welche Argumente für Wirtschaftswachstum werden üblicherweise angeführt und wie brüchig sind diese eigentlich? Hans Holzinger entkräftet fünf gängige Argumente für Wirtschaftswachstum (Stichwort: Arbeitsplätze, Wohlstand, Sozialversicherung u.a.) und entwirft zugleich essentielle Bedingungen für den Übergang zu einer Postwachstumsökonomie im reichen Westen. Denn aus seiner Sicht würde diese ökonomisch stabilisieren und wäre zudem Voraussetzung für reale ökologische Nachhaltigkeit.

„Die Gretchenfrage des Kapitalismus“ lautet wohl: ist eine Entkoppelung von Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum möglich? In einem der erfolgreichsten zweiteiligen Artikel widmet sich Tilman Santarius dieser Streitfrage und nimmt dafür zunächst eine deutliche Differenzierung zwischen absoluter und relativer Entkoppelung. Mit Blick auf Rebound-Effekte analysiert er anschließend sehr schlüssig, wieso lediglich ein Wachstumsstopp die Grenzen unserer Biosphäre noch wahren können wird.

Im Fokus eines universitären Forschungsprojektes stand die Frage nach der Anwendbarkeit des Postwachstums-Konzept für den Globalen Süden. Besteht eine Gefahr der Reproduktion von Machtverhältnissen durch den westlich dominierten Diskurs? Und wie sollte eine stärkere internationale Vernetzung aussehen? Auf dem Blog reflektierten Dorothee Fees, Katja Lauth und Clara Weichelt ihre Ergebnisse aus qualitativen Interviews mit Postwachstumsakteur/innen.

„Es kann keinen Kapitalismus ohne Wachstum geben“: so simpel und doch so schlagkräftig konstatiert Friederike Habermann das potenzielle Ende dieses Systems und führt dabei lebhaft vor Augen, warum der Kapitalismus sowieso keineswegs ein Festhalten oder Hinterhertrauern verdient hätte. Dass ihre Position mit Verweis auf alternative Wirtschaftsweisen wie die „Commony“ auf große Resonanz stieß, zeigt sich auch in der regen Diskussion in den Kommentaren zum Artikel.

Nachhaltige Gesellschaft, Politik und Industrie for future

Wie die sozial-ökologische Transformation das Projekt rot-rot-grüner Politik werden kann, beschäftigte Ulrich Brand im Jahr 2014. Er betrachtet dabei Parteien im linken Spektrum als möglichen Teil eines breiten zukunfsorientierten Bündnisses zusammen mit NGOs, sozialen Bewegungen und progressiven Unternehmer/innen. Doch wie muss Politik neu erfunden werden, um soziale und ökologische Fragen zu verbinden anstatt sie gegeneinander auszupielen? Diese Frage erscheint heute aktueller denn je.

Die wohl meistgelesene Rezension auf dem Blog schrieb Caron Pomp zum medial gelobten Buch „Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis“ von Stephan Lessenich. Auch fünf Jahre nach Erscheinen des Buchs büßt dieses nicht an Aktualität sowie Potenzial zur Desillusionierung und schließlich zum Umdenken ein. Denn den Preis für unser Wirtschaftswachstum und unseren Konsumerismus zahlen noch immer andere.

An der Schnittstelle von Feministischer Ökonomie, Kapitalismus- und Wachstumskritik entwickelte Frigga Haug die „Vier in einem Perspektive“, die inzwischen zu den Klassikern im feministischen Postwachstumsdiskurs auf dem Blog zählt. Im Fokus steht die Utopie einer gerechten Verteilung von Erwerbsarbeit, Familienarbeit, Gemeinwesensarbeit und persönlichen Entwicklungschancen. Haug plädiert eindrücklich dafür, die getrennten Bereiche zusammen zu führen und für die Ermächtigung jedes Einzelnen, um kollektiv eine andere Kultur der Gesellschaft zu erreichen.

Besonders viele Leser/innen angesprochen hat auch unsere Artikel-Reihe zum Thema Obsoleszenz – die von Stefan Schridde angestoßen und mit teils konträren Positionen unter anderem von Harald Wieser und Erik Poppe fortgesetzt wurde. Sind Fälle geplanter Obsoleszenz – also unter anderem die Verkürzung der Nutzungsdauer von Ressourcen und Produkten durch den Einbau von Schwachstellen– eine Ausnahme oder doch die Regel? Oder handelt es sich hierbei gar um eine Verschwörungstheorie? Mitunter über diese Fragen wurde auf dem Blog leidenschaftlich debattiert.

 

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