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Priorität für Wachstum oder Klimaschutz?

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Vor dem Hintergrund der alarmierenden Ergebnisse der Klimaforschung ist klar: „Wir müssen das menschliche Handeln in eine neue Richtung lenken, von der Ausbeutung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Erdsystem.“ (Will Steffen, Stockholm Resilienz Center).

Aber wie sehen die Klimaschutzszenarien des IPCC-Sonderberichts aus? Und hier setzt bei aller Wertschätzung der Klimaforschung des IPCC unsere kritische Auseinandersetzung an: denn die Klimaszenarien werden verbunden mit fünf sozioökonomischen Entwicklungsszenarien (Shared Socio-ecomoc Economic Pathways). Diese Entwicklungsszenarien, die auf ökonomischen Modellen beruhen, gehen alle von der Annahme aus, dass es weltweit weiteres Wirtschaftswachstum geben wird bis zum Jahr 2100, weil der Wohlstand – verstanden als Konsum pro Kopf – gesteigert werden soll. Unter dieser Annahme kann ein zumindest temporärer Überschuss – eine Überschreitung der kritischen Schwellen des CO2- Ausstoßes – nicht verhindert werden. Deshalb braucht es Technologien, die geeignet erscheinen, die – zu vielen – Emissionen der Erdatmosphäre wieder zu entziehen. Dabei steht derzeit im Mittelpunkt BECCS (Bioenergy with Carbon Capture and Storage), der Anbau von Biomasse und die folgende Verbrennung der Biomasse mit Abscheidung des CO2 und danach die Speicherung des CO2.

Diese sozio-ökonomischen Szenarien gehen von weiterem Wirtschaftswachstum aus, auch das sogenannte Sustainability-Szenario, das für 2010-2100 in den Industriestaaten eine durchschnittliche Wachstumsrate von 1,0-1,4 % annimmt und weltweit eine Wachstumsrate von 2,1-2,2 %. Aber wie steht es mit dem Verhältnis von Wirtschaftswachstum und Klimaschutz, mit der Vereinbarkeit von Wirtschaftswachstum und Klimaschutz? Welche Erfahrungen gibt es, seitdem Klimaschutz seit der Rio-Konferenz 1992 und den Klimavereinbarungen von Kyoto ein herausragendes politisches Ziel der Staatengemeinschaft wurde? Es gibt weltweites Wachstum und weltweit steigende CO2 Emissionen und auch in den Industriestaaten ist die absolute Entkoppelung, d.h. weniger CO2-Emissionen bei steigender Wirtschaftsleistung, nicht gelungen. In den Industriestaaten kommt hinzu, dass sie im Zuge der Globalisierung mit der Verlagerung ihrer Produktion in Länder des Südens und dem Import von Konsumgütern ihre CO2-Emissionen ins Ausland verlagern.

Die Hoffnung über Energieeffizienz und über eine Green Economy auch bei Wirtschaftswachstum die nötigen CO2 Reduktionen und nationalen Klimaziele zu erreichen, haben sich auch wegen des Rebound-Effekts nicht erfüllt. Die Bundesregierung hat ihre Klimaziele für 2030, weil sie absehbar nicht erreicht werden würden, von 40 % auf 35 % reduziert.

Deutschland ist in der europäischen Klimapolitik vom Vorreiter zum Mitläufer und jetzt zum Hauptbremser geworden – wie beim EU-Gipfel im Oktober 2018 zur Reduzierung der CO2-Emissionen bei Automobilen. Und warum? Weil im Automobilland Deutschland die Autoindustrie mit dem Verlust von Arbeitsplätzen gedroht hat und die Bundesregierung Wachstumseinbußen befürchtete.. „Auch der Klimaschutz steht unter Wachstumsvorbehalt“ so prägnant hat es der frühere Wirtschaftsminister Clément bei der Entscheidung über die Einführung des Emissionshandels formuliert, worauf dieses Instrument so durchlöchert wurde, dass es – wie beabsichtigt – wirkungslos wurde.

Klimaschutzmaßnahmen und Wirtschaftswachstum können miteinander vereinbar sein, wie beim Ausbau der erneuerbaren Energien, aber Klimaschutz darf nicht vom Wachstum abhängig sein. Die planetaren Grenzen sind auch unsere menschlichen Grenzen und Wirtschaft und Gesellschaft müssen so organisiert werden, dass diese Grenzen eingehalten werden – auch wenn das Änderungen in unserem Wirtschaftssystem und eine Abkehr vom Wachstumsparadigma bedeutet. Wir brauchen eine Postwachstumsgesellschaft, in der Wirtschaft und Gesellschaft auch ohne Wachstum funktionieren.

Die seit den „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome 1972 immer wieder aufkommende Debatte lässt sich nicht mit neuen Wortschöpfungen entschärfen oder gar lösen, mit qualitativem Wachstum, mit grünem Wachstum oder auch nachhaltigem Wachstum – wie das  auch in den Sustainable Development Goals oder jetzt in dem Nachhaltigkeitsszenario des IPCC angenommen wird. Die Auseinandersetzung mit dem Paradigma Wirtschaftswachstum und unserer derzeitigen tatsächlichen Abhängigkeit des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems vom Wirtschaftswachstum ist zentral für die Klimapolitik.

Dies ist auch meine persönliche Erfahrung. Als Misereor und der BUND in die Mitte der Neunzigerjahre als deutsche Übersetzung der Agenda 21 von Rio die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ veröffentlichten, mit den gleichen weitreichenden Reduktionszielen für CO2 und Rohstoffe wie sie heute gefordert werden, gab es kein extra Kapitel zum Thema Wachstum, sondern die Aussage: Die ökologischen Grenzen, damals Umweltraum genannt, seien die Grenzen für die wirtschaftliche Entwicklung. Wachstumsraten seien ein Ergebnis wirtschaftlicher Aktivität und kein eigenständiges Ziel. Wir waren damals überzeugt, dass die Weltgemeinschaft die Brisanz der Klimaentwicklung erkannt hätte und klimapolitisches Handeln Priorität hätten. Das war ein Irrtum – und diesen dürfen wir nicht wiederholen. Die Debatte um Wirtschaftswachstum muss offensiv in die Debatte um Klimaschutzpolitik eingeführt werden. Denn in den Klimaschutzszenarien werden Wachstumsraten angenommen, die zu so hohen Treibhausgasemissionen führen, dass das 1,5°-Ziel überschritten würde.

Die Integrated Assessment Modelle arbeiten mit Nutzen-und Wohlfahrtsfunktionen, die das Ziel haben, den materiellen Wohlstand zu maximieren. Der Gesamtnutzen ergibt sich dabei aus dem Konsum pro Kopf multipliziert mit der Anzahl der Menschen. Dabei erhöhen – wegen der logarithmischen Funktion – Konsumzugewinne in armen Ländern den Gesamtnutzen stärker als Konsumzugewinne in reichen Ländern.

Das Dilemma ist: Die Konsumsteigerung ist das Ziel, aber gleichzeitig sind wirtschaftliche Aktivitäten und Konsum der Hauptmotor für Treibhausgasemissionen.

Dies Dilemma soll nach dem IPCC-Sonderbericht durch folgende Strategien gelöst werden:

  1. Effizienz
  2. andere Formen der Energiebereitstellung,
  3. Technologien für negative Emissionen, d. h. Technologien, die CO2-Emissionen wieder aus der Atmosphäre zurückholen und unwirksam werden lassen.

Welche Optionen dabei zum Einsatz kommen, wird nach Grenzvermeidungskosten entschieden (gesamtwirtschaftliche Kosten pro eingesparter Tonne CO2). Dabei werden die gesellschaftlichen und Umweltkosten der Maßnahmen nicht berücksichtigt.

Eine gesellschaftliche Debatte über die Annahmen dieser ökonomischen Modelle, die die Höhe der angenommenen C02-Emissionen zentral bestimmen, findet nicht statt. Die Debatte wird sich absehbar an den Auswirkungen der Technologien für negative Emissionen entzünden.

So halten wir von Friends of the Earth die Risiken von BECCS (das in allen Szenarien vorgesehen ist) für zu hoch:

  1. Für die zu eliminierenden Mengen an CO2 sind riesige Flächen Land nötig, ca. ein Drittel der aktuellen Anbaufläche weltweit und es besteht daher die Gefahr weiterer Waldrodungen für den Anbau von Biomasse.
  2. Der Anbau von Biomasse erfolgt in Monokulturen mit einem hohen Einsatz von Pestiziden und gefährdet die Biodiversität.
  3. Die Risiken der Speicherung von CO2 sind zu hoch.

Wir halten deshalb den Ansatz für falsch, bei Rückholtechniken für die Emissionen anzusetzen, sondern setzen darauf, die Entstehung von CO2 zu verringern, nicht nur über Effizienz und alternative Energiebereitstellung, sondern auch über Suffizienz.

Aber diese Option zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen wird überhaupt nicht angesprochen – über Verhaltensänderungen im Konsum und Lebensstilen die Emissionen zu verringern, z. B. in den Bereichen Ernährung/insb. Fleischkonsum, Verkehr/Sharing-Modelle, Flugverkehr, Regionalisierung.

Effizienzmaßnahmen und neue Energieformen sind wichtig, aber ohne Suffizienzmaßnahmen wird das Klimaziel 1,5° nicht zu erreichen sein. Um Suffizienz im nötigen Umfang wirksam werden zu lassen, brauchen wir fördernde Suffizienzpolitik. Wirksame Suffizienz steht allerdings im Konflikt mit Konsumsteigerung.

Der IPCC-Bericht selbst fordert einen Systemwechsel, „a completely new paradigm“. Systemwechsel bedeutet nach unserer Einschätzung den Abschied von der gegenwärtigen Priorität für Wirtschaftswachstum und das Ziel einer Postwachstumsgesellschaft, in der nicht mehr die Steigerung der materiellen Güter im Mittelpunkt steht, sondern ein gutes Leben – weltweit und für künftige Generationen.

 

Literatur:

Kuhnhenn, Kai (2018): Economic Growth in mitigation scenarios: A blind spot in climate science. Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung. Online abrufbar unter: https://www.boell.de/en/economic-growth-in-mitigation-scenarios

Spangenberg, Joachim (2018): Neoclassical economists misguide the IPCC – with dangerous consequences. International Sustainable Development Research Society: ISDRS Newsletter 3/2018. Online abrufbar unter: http://isdrs.org/?wysija-page=1&controller=email&action=view&email_id=28&wysijap=subscriptions

 

von

Prof. Dr. Angelika Zahrnt ist Ehrenvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und war von 1998 bis 2007 Vorsitzende. Von 2001 bis 2013 war sie Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung der deutschen Bundesregierung und im Strategiebeirat Sozial-ökologische Forschung des deutschen Bundesforschungsministeriums. Seit 2010 ist sie Fellow am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Sie hat zahlreiche Publikationen veröffentlicht, u.a. zu den Themenbereichen Nachhaltigkeit, Produktlinienanalyse, Ökologische Steuerreform, Ökologie und Ökonomie, Frauen und Ökologie. Sie war u.a. Initiatorin der Studien „Zukunftsfähiges Deutschland“ (Basel 1997 und Frankfurt a.M. 2008). Zusammen mit Irmi Seidl ist sie außerdem Herausgeberin des Buches „Postwachstumsgesellschaft - Konzepte für die Zukunft“ und Mit-Initiatorin des Blogs Postwachstum.de. Mit Uwe Schneidewind hat sie das Buch „Damit gutes Leben einfacher wird – Perspektiven einer Suffizienzpolitik“ geschrieben. 2006 und 2013 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen und 2009 der Deutsche Umweltpreis.

1 Kommentare

  1. Klaus Rehberg sagt am 5. März 2019

    Die Forderung nach einer Postwachstumsökonomie greift zu kurz.
    Fernsehen 3 sat Nano http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=78100
    Klimaneutral leben Das politisch erklärte Ziel wäre bis 2050, dass alle Menschen maximal 1t CO2 emittieren. Klaus Rehberg K-rehberg@gmx.de
    Damit wäre dann theoretisch die CO2 Neutralität erreicht die notwendig ist, um das Klima zu stabilisieren auf dem dann herrschenden Niveau. Die natürliche Reduktion auf das vorindustrielle CO2 Niveau würde wahrscheinlich ohne das menschliche zu tun und geologischen Katastrophen ausgeschlossen, tausende Jahre dauern.
    Der Versuch bewußter Klimaneutral zu leben bringt zwischen 10-20 % CO2 Einsparung.
    Ergebnis des Berliner Testes
    Die Beispielperson lag trotz konsequentem Sparen immer noch bei 5,6 t CO2.
    Der Einzelne hat kaum die Chance individuell mehr Einzusparen. Das Konsumverhalten verursacht viele Emissionen: Jeder kann im Alltag CO2 einsparen. Um wirklich etwas zu bewegen, ist jedoch die Politik gefragt.
    CO2 Anteil im Mittel der Bundesrepublik 2018
    Bundesdurchschnitt 11,6 Tonnen Einsparmöglichkeiten eigene Einschätzungen
    Mobilität 18,8 % Einsparmöglichkeiten gering 20-30%* hoch
    Ernährung 15 % Einsparmöglichkeiten gering* hoch
    Wohnen Heizen und Strom 21,8 % Einsparmöglichkeiten hoch bei politischem Willen über 50%
    Konsum 38,15 % Einsparmöglichkeiten gering* hoch
    Infrastruktur 6,3 % Einsparmöglichkeiten sehr gering
    *bei Beibehaltung unseres Wohlstandmodells
    Sehr hohe Einsparungen, die notwendig wären um das pro Kopfbudget von 1t zu realisieren, würden eine andere Gesellschaft voraussetzen.
    Flugreisen Beispiel: Flug nach Portugal von Berlin verbraucht ca. ¼ des Jahresbudget einer Person, knapp 3t.
    Klaus: Was in der Sendung nicht gesagt wird ist. Das selbst wenn der Staat die Rahmenbedingungen ändert um mehr CO2 und andere Klimagase einzusparen, wir niemals
    bei Beibehaltung unseres Lebensstandards und der ökonomischen Wachstumslogik (Kapitalismus) die Vorgabe von 1t CO2 Emissionen erreichen werden um die Klimaerwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen. Zur Erinnerung Deutschland hat sich im Mittel schon auf 1,4 Grad erwärmt. Die Schweiz um 1,6 Grad.
    https://www.wwf-jugend.de/blogs/5532/6544/unser-co2-fusabdruck-im-weltweiten-vergleich
    Der weltweit durchschnittliche CO2 Fußabdruck liegt bei ca. 6,8 Tonnen ( 2015) pro Kopf.
    Die Inder liegen bei 1,67%. Nur die Armenhäuser dieser Welt vor allem afrikanische Länder liegen unter 1t.
    http://carbonfootprintofnations.com/content/environmental_footprint_of_nations/
    https://www.co2online.de/klima-schuetzen/klimabilanz/die-groessten-co2-emittenten/
    Über die Hälfte der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger wird allein von den vier Staaten China, USA, Indien und Russland verursacht. Zwischen 1990 bis 2015 sind – trotz aller Klimaschutzdebatten – die globalen CO2-Emissionen aus Kohle, Erdöl und -gas von rund 21 auf über 32 Mrd. Tonnen pro Jahr gestiegen. Fast die Hälfte dieses Zuwachses wurde in China verursacht. Die Volksrepublik hat 2007 die USA als weltgrößten Klimagas-Emittenten abgelöst – zusammen sorgen diese beiden Großverschmutzer für mehr als 40 Prozent der globalen Gesamtemissionen. Wobei man bedenken muß, dass die chinesische Bevölkerung ca. 2 ½ mal so groß ist wie die der USA.
    In dieser Auflistung, die auf Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) aus 2013 basiert, findet sich ein Überblick über die weitweit größten Verusacher von Treibhausgasen.
    Deutschland ist also der sechstgrößte Treibhausgas-Verursacher der Welt – obwohl sich die Bundesrepublik oft als Klimaschutz-Vorreiter lobt und die Emissionen laut Bundesumweltamt zwischen 1990 und 2015 bereits um 27,2 Prozent gesunken sind. Seit 2015 stagniert die Minderung.
    Verbrauch pro Land versus Pro-Kopf-Emissionen
    Eine ganz andere Reihenfolge ergibt sich, wenn die Treibhausgas-Emissionen pro Einwohner eines Landes ausgewertet werden. China rangiert  [British Gas, Stand 21.06. 2016] etwa auf Platz 40 der Weltrangliste – noch hinter den schon lang entwickelten Industriestaaten (Deutschland: Platz 27 mit knapp zehn Tonnen). Auch in anderen Schwellen- und Entwicklungsländern sind die Pro-Kopf-Emissionen immer noch bedeutend niedriger als in Industrienationen. Ein Inder verursacht im Schnitt pro Jahr circa anderthalb Tonnen CO2 (Platz 119), wobei nur 43 Prozent der Bevölkerung überhaupt Zugang zu Elektrizität haben. In den ärmsten Ländern der Welt liegt der Pro-Kopf-Ausstoß mit Jahreswerten von unter einer Tonne CO2 sogar noch niedriger. Was vor allem vor dem Hintergrund der Folgen des Klimawandels mehr als ungerecht ist: Die größten Klimafolgen müssen von den ärmsten Ländern der Welt getragen werden, also von denen, die am wenigsten zur Erwärmung beigetragen haben.
    Budgetansatz: Auf wissenschaftlicher Basis solle ermittelt werden, wie viel Treibhausgase künftig pro Jahr weltweit noch ausgestoßen werden dürfen, um die Erderwärmung unter der wichtigen Grenze von 2 °C zu halten. Diese Menge möge dann auf die Weltbevölkerung von rund 6,9 Milliarden Menschen im Basisjahr 2010 verteilt werden – daraus ergäbe sich eine „Kopfpauschale“ von rund fünf Tonnen Kohlendioxid.
    https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/co2_fussabdruck_1568.htm
    Klaus: Die Menschheit wird wahrscheinlich 2021 https://countrymeters.info/de/World/
    die 8 Milliarden erreichen. Dementsprechend singt auch das Budget an CO2 dass dem einzelnen noch zur Verfügung steht. Verschärfend kommt hinzu, dass die Weltgemeinschaft nicht die 1,5 Grad Erwärmung überschreiten sollte. Damit waren die Budgetvorstellungen aus dem Jahr 2010 hinfällig. https://www.mcc-berlin.net/forschung/co2-budget.html
    Der Sonderbericht vom Oktober 2018 präsentiert neue Zahlen. Demnach können noch knapp 420 Gigatonnen (Gt) CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden, um das 1,5-Grad-Ziel nicht zu verfehlen. Da die Welt jedoch jedes Jahr circa 42 Gt an CO2 ausstößt (linear gedacht) – rechnerisch entspricht dies 1332 Tonnen pro Sekunde – dürfte dieses Budget in gut neun Jahren aufgebraucht sein. Das Budget von circa 1170 Gt für das Zwei-Grad-Ziel wird in etwa 26 Jahren erschöpft sein.
    Diese Rechnung geht davon aus dass der Klimawandel sich nicht beschleunigt, sich also linear entwickelt, was aber nicht der Fall ist. Die Klimaerwärmung hat sich in den letzten 30 Jahren so gut wie verdoppelt. Von 0,07° pro Dekade vor 1980 im Mittel auf 0,15° pro Dekade im Mittel. Daher die Forderung des IPCC Berichtes Ende 2018 https://www.de-ipcc.de/128.php
    Der Sonderbericht stellt den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu den Folgen von 1,5 °C Erwärmung gegenüber vorindustriellen Bedingungen und zu Treibhausgas-Emissionspfaden, die mit einer solchen Erwärmung konsistent sind, dar. Der Bericht untersucht außerdem konkrete Maßnahmen zur Verstärkung und Beschleunigung des Kampfes gegen den Klimawandel. Darüber hinaus geht ein gesondertes Kapitel auf Berührungspunkte zu den Zielen nachhaltiger Entwicklung (SDG) ein. https://www.de-ipcc.de/media/content/SR1.5-SPM_de_181130.pdf
    D1. Schätzungen der globalen Emissionen infolge der derzeitigen national festgelegten Minderungsziele, wie im Rahmen des Pariser Abkommens eingereicht, legen für das Jahr 2030 globale Treibhausgasemissionen 9 von 52–58 Gt CO 2 Äq pro Jahr (hier ist das Bevölkerung und Wirtschaftswachstum mit einkalkuliert) nahe (mittleres Vertrauen). Pfade, die diese Ziele widerspiegeln, würden die globale Erwärmung nicht auf 1,5 °C begrenzen, selbst wenn sie nach 2030 durch sehr anspruchsvolle Steigerungen des Umfangs und der Ziele der Emissionsminderungen ergänzt würden (hohes Vertrauen). Eine Überschreitung und Abhängigkeit von zukünftig großflächigem Einsatz von Kohlendioxidentnahme (CDR) kann nur vermieden werden, wenn die globalen CO 2 -Emissionen lange vor 2030 zu sinken beginnen (hohes Vertrauen).
    Übersetzt sagt der IPCC Bericht, das wir schleunigst in die Puschen kommen sollten, weil es sonst sehr teuer wird und bei erreichen von Kipppunkten wir ohne Kohlendioxidentnahme (CDR) keine Chance mehr haben unter 2 Grad Klimaerwärmung zu bleiben, was das aus der menschlichen Zivilisation bedeuten kann, weil der Klimawandel eigendynamisch voranschreiten wird, egal welche Maßnahmen die Menschen sich einfallen lassen. Das wagt aus psychologischer Hygiene keiner auszusprechen. Und noch eine Anmerkung auf die ich seit langem immer wieder hinweise ist die Tatsache, dass der Schwund der natürlichen CO2 Senken, wie das Abholzen der tropischen Wälder, immer noch nicht in den Szenarien der Klimaentwicklung angemessen mitgerechnet wird. Klaus 08.01.19
    Veränderung der Oberflächentemperaturen von 1880-1884 bis 2012-2017, bezogen auf die Durchschnittstemperaturen von 1951 bis 1980 https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung
    https://www.wetteronline.de/klimawandel http://www.klimabuendnis-koeln.de/folgen
    https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/folgen-des-klimawandels
    Wie kann den Klimafolgen begegnet werden?
    Möglichst frühzeitige und zielgerichtete Vorbereitung auf Klimafolgen kann helfen, Schäden zu reduzieren oder zu begrenzen und möglicherweise existierende Chancen zu nutzen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind alle gefordert. Nur durch eine gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft können wir uns wirkungsvoll auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten. Den Grundstein für diese Anpassung an den Klimawandel bildet eine umfassende Abschätzung möglicher Klimafolgen mithilfe von Klima- und Wirkmodellen. Auf dieser Basis können anschließend Maßnahmen zur Anpassung geplant werden. In Deutschland gibt es mit der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) und dem Aktionsplan Anpassung (APA) sowie dem Fortschrittsbericht zur DAS eine gute Ausgangsposition für den Umgang mit Klimafolgen.
    https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/trends-der-lufttemperatur#textpart-1
    Klaus: Es gibt sie nicht, die Vorstellung das man irgendwann nichts mehr tun kann. Daher der unerschütterliche Glaube, dass man mit Anpassungsmaßnahmen so weiter leben und arbeiten kann wie gewohnt. Der Klimawandel findet statt, er ist Wirklichkeit und daher muß man sich den verändernden Rahmenbedingungen des Klimas anpassen. Die technologische Fortschrittsideologie lässt keinen Zweifel zu, dass der Mensch seine Probleme händeln kann. Das ist in meinen Augen purer Wahnsinn. Wie sollen wir bei Beibehaltung dieser Wahnökonomie, die kein genug kennt, die notwendigen Klimaziele erreichen? Das dies mit unserer Lebenspraxis nicht möglich ist zeigten diese Freiwilligen des Berliner Versuchs. Das Klima ist ja nur das dringlichste Umweltproblem das zu lösen wäre.
    https://www.galileo.tv/earth-nature/diese-karte-zeigt-euch-wie-die-klimaerwaermung-die-welt-veraendert/
    https://www.klimafakten.de/meldung/klimawandel-eine-faktenliste http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Aktuelle_Klima%C3%A4nderungen
    http://www.agenda21-treffpunkt.de/daten/index.htm
    Umweltschäden: Eine Weltkarte der Zerstörung https://www.spektrum.de/news/eine-weltkarte-der-zerstoerung/1609616?utm_medium=newsletter&utm_source=sdw-nl&utm_campaign=sdw-nl-daily&utm_content=heute https://germanwatch.org/de
    https://www.inkota.de/fileadmin/user_upload/Themen_Kampagnen/Ressourcengerechtigkeit/2018_Erd%C3%BCberlastungstag/20180726_FAQ_Erdueberlastungstag_2018.pdf
    1880, also am Beginn der Darstellung, lag der Gehalt an Kohlendioxid in der Erdatmosphäre bei 285 ppm, 1960 war er bereits laut den Messungen am Mouna Loa Observatorium auf 315 ppm gestiegen. Heute liegt er schon bei 404 ppm. Und er wird weiter steigen. Und damit auch die Temperatur auf der Erde.
    https://www.scinexx.de/news/geowissen/klimawandel-wie-viel-co2-bleibt-uns-noch/
    Von Stefan Rahmstorf https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/
    Seite der Klimaskeptiker https://www.eike-klima-energie.eu/2018/11/11/der-juengste-ipcc-bericht-sr-15-von-2018-von-klimakatastrophen-keine-spur/
    Selber wenn wir bürgerlichen Konsumisten alle vorbildlicht Lebten, wie diese Frau in dem Filmdoku, können wir nicht diese angestrebte CO2 Neutralität von 1000t/im Jahr realisieren, schlicht weil wir aufgrund der Kaufkrafterhaltung des Geldes, da Geld selber völlig wertlos ist, permanent wertschöpfend Wirtschaften müssen über unsere Grundbedürfnissen hinaus. Der globale Wettbewerb erzwingt dies ebenso, wie die Erhaltung der nationalen Infrastrukturen und der Sozialsysteme. Das bürgerliche Menschenbild von der „natürlichen“ Autonomie des Individuums und die damit assoziierten Freiheitsvorstellungen des Einzelnen, der Liberalismus, sind untrennbar mit den Werten dieser Leistungsgesellschaft verbunden und lassen Gegenmodelle, in denen Menschen jenseits dieses Wertekanons versuchen neue und andere humaner und kollektivistische Vergesellschaftungen zu leben nicht zu. Alle wollen den materiellen Wohlstand bewahren, weil sie ihn als ihr Lebensrecht begreifen den der Fortschritt ihnen gebracht hat und für den man ja brav gearbeitet hat, ihn sich verdient hat und weil man sich identitär* damit identifiziert.
    *Identitär ist alles was Menschen sich zu eigen machen bzw. sich persönlich zuschreiben obwohl sie keinen direkten Anteil haben, eine abstrakte Erweiterung des Selbst. Beispiele: Wir sind Weltweister, mein Fußballklub ist Meister, Stolz ein Deutscher zu sein. Es ist die Selbstüberhöhung eines ansonsten selbstschwachen Ich. Das Habenprinzip (Erich Fromm)
    Solange Menschen erzogen werden durch Erniedrigungen damit sie später „funktional“ sind, solange werden Menschen ihresgleichen nicht vertrauen sondern anscheinenden neutralen überindividuellen sozialen Institutionen. Das ist das Recht, der Staat, die Demokratie, das Geld, alles ordnende Dinge die nur deshalb existieren, weil der Mensch dem Menschen misstraut. Wir nennen das Zivilisation und sind stolz drauf, denn alles andere war immer Barberei und die wurde im Namen Gottes und dem Glauben des Auserwähltseins systematisch unterdrückt und vernichtet. Vor diesen „modernen“ Errungenschaften hatten die Religionen die Rolle inne um für Sinn und Ordnung und Geborgenheit zu sogen und zumindest nach dem Tod für Sicherheit. Unsere Kultur ist eine Misstrauenskultur.
    Wir haben keinen Plan für ein anderes Leben, weil die Reflexion auf das bürgerliche geworden sein fehlt. Das bürgerliche Selbst kann aber nur unter diesen institutionellen Bedingungen existieren. Nicht umsonst sagen alle, dass die (Erwerbs)Arbeit unersetzlich ist für das Selbstwertgefühl des Bürgers und seiner Teilhabe an der Gesellschaft. (protestantische Ethik) Daher ist Arbeitslosigkeit ein Stigma das fast jeder möglichst schnell wieder los werden will um jeden Preis, selbst dann, wenn seine Lebensgrundlagen sozial abgesichert sind. Arbeit ist daher sklavischer Selbstzweck und nicht Zweck um die materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn wir nur dafür arbeiten würden hätten wir die 2 Tage Woche freiwilliger selbstbestimmter Arbeit aus Einsicht zur ges. Notwendigkeit und der Solidarität und keine Mietkasernen mehr und Schoppingmols usw. Der Rest der Woche wäre Tätigkeit zur Aufrechterhaltung des sozialen Miteinander (Sozialpflege), Spiel, Spaß und Liebe (Kreativität).
    Findest du irgendwo auf der Seite des Bund Gedanken die in dieser Richtung gehen?
    https://www.bund.net/ressourcen-technik/suffizienz/ Meine Theorie ist, das wenn die Menschen einsehen, dass ihre CO2 Minderungsstrategien nicht dazu führen können die CO2 Neutralität zu erreichen, sie sich der menschlich schwersten Aufgabe stellen, des Selbsthinterfragen, um dem Wahn der Selbstverbrennung zu entgehen. Dazu müssen sie aber erst gebracht werden. Deshalb ist dieser Berliner Versuch für mich so interessant Klaus 10.01.19
    https://www.klimareporter.de/gesellschaft/how-low-can-you-go
    Klimaschutz-Experiment 02. Februar 2019
    How low can you go?
    Ein Jahr lang haben 100 Berliner Haushalte versucht, klimaneutral zu leben, ein Experiment Potsdamer Wissenschaftler. Zu den Lehren gehört: Fliegen verhagelt die Ökobilanz unwiederbringlich. Und ohne einen politischen Wandel kann kein einzelner Mensch seinen CO2-Fußabdruck ausreichend verkleinern.
    von Susanne Schwarz
    Klimafreundlich leben in Deutschland – geht das? 100 Berliner Haushalte haben das zumindest für die Hauptstadt gerade ausprobiert. Sie haben an einem Experiment des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung teilgenommen. „Klimaneutral leben in Berlin“ (Klib) heißt das Projekt.
    Klimaneutral bedeutet, dass man nicht mehr Treibhausgase ausstößt, als die Natur verarbeiten kann. Jeder Mensch dürfte dafür nur etwa eine Tonne Kohlendioxid im Jahr verursachen, alles inbegriffen – essen, Strom verbrauchen, heizen, reisen. Zum Vergleich: Ein deutscher Durchschnittsbürger verursacht zurzeit etwa elf Tonnen.
    Die Teilnehmer an dem sogenannten Reallabor haben ihren CO2-Ausstoß über ein Jahr akribisch in einem Online-Rechner dokumentiert. „Dabei führt man sich ganz deutlich vor Augen, was im eigenen Leben besonders klimaschädlich ist und was dagegen besonders gut hilft“, erzählt Alexander Obst, einer der Teilnehmer.
    Er hat sein Haus im vergangenen Jahr nach einer Energieberatung einer Klimakur unterzogen, alle ineffizienten Stromfresser rausgeschmissen. Die ganze Familie hat auch im Alltag umgesteuert: S-Bahn statt Auto, regional und bio statt beliebig.
    Aber dann kam der Schüleraustausch des Sohnes. Einmal nach Neuseeland und wieder zurück, das sind zusammen ungefähr 13 Tonnen Kohlendioxid – und weg waren alle anderen Klimaerfolge in der Gesamtrechnung. „Fliegen verhagelt die Klimabilanz unwiederbringlich, das kriegt man nicht wieder ausgeglichen“, sagt Obst.
    „Am Ende hilft nur eine andere Politik“
    Im Mittel haben die 100 Haushalte ihre Klimabilanz um zehn Prozent verbessert. Das Experiment zeigt: Wer sich anstrengt – den Stromanbieter wechselt, effiziente Elektrogeräte nutzt, Essen regional kauft und anderes möglichst wenig, öffentlichen Verkehr statt Auto nutzt – der kann deutlich klimafreundlicher leben als der deutsche Durchschnitt.
    Es zeigt aber auch: Sich selbst Mühe zu geben hat Grenzen. Wie die öffentliche Infrastruktur betrieben wird, kann man schließlich nicht beeinflussen – nutzen muss man sie trotzdem.
    „Auf jährlich 7,8 Tonnen CO2 zu reduzieren, das könnte für jeden Haushalt leicht möglich sein – und das wäre bundesweit schon mal eine ganze Menge“, sagt Fritz Reusswig vom Potsdam-Institut. „Selbst ambitionierte Haushalte können ihre Klima-Bilanz maximal halbieren, doch dann ist irgendwann Schluss“, erläutert der Soziologe. „Ab einem bestimmten Punkt hilft nur eine andere Politik.“
    Dass der politische Rahmen noch nicht stimmt, macht es dem Einzelnen auch schwerer, klimafreundliche Entscheidungen zu treffen, wo sie ihm im Prinzip obliegen: Manchmal muss man Mehrkosten in Kauf nehmen, verzichten – oder die Ideale auch mal zähneknirschend links liegen lassen.
    „Jetzt soll ich auch noch das Klima retten?“
    „Es ist doch absurd, dass im Supermarkt die Bio-Äpfel aus Brandenburg oft teurer ist als Obst aus Neuseeland“, meint Karen Beese, die mit ihrem Lebensgefährten und ihren drei Kindern an dem Reallabor teilgenommen hat. Damit mache man vielen Menschen das nachhaltige Leben zu schwer – oder auch schlicht zu teuer. Sie wünscht sich, dass die Politik eingreift, etwa durch einen CO2-Preis.
    Sie sei, berichtet Beese, in Phasen durch das Jahr gegangen: „Am Anfang war ich euphorisch mitzumachen, dann setzte die Normalität ein, zwischendurch gab es auch Frustration: Ich hab doch schon genug Stress – und jetzt muss ich auch noch das Klima retten?“
    Insgesamt ist sie aber froh, teilgenommen zu haben. Ihren CO2-Ausstoß konnte ihre Familie senken. Und die Camping-Urlaube in Deutschland, die das Fliegen überflüssig gemacht haben, seien sehr schön gewesen.
    Ob der CO2-Rechner, mit dem die Teilnehmer ihre Emissionen verfolgt haben, demnächst auch für alle zugänglich und nutzbar sein wird, ist denn auch noch fraglich. Der Verwaltungsaufwand und die Kosten wären hoch. Und der Nutzen ungewiss, meint Michael Bilharz vom Umweltbundesamt schmunzelnd: „Wir wollen die Leute ja auch nicht zu CO2-Buchhaltern machen.“

    https://www.klimareporter.de/gesellschaft/grenzerfahrung-im-supermarkt
    Klaus: Wie gehabt, die Konsequenzen aus dem Test werden nicht klar ausgesprochen. Das notwendige klimapolitische Ziel von 1t CO2 Verbrauch bis 2050 im Mittel für alle Menschen dieser Welt, ist mit unserem Lebensstiel unmöglich zu realisieren. Das heißt aber auch, dass wir kollektiv mit einer Lebenslüge leben die von der Politik kräftig befördert wird. Alle Parteien stellen den Lebensstandart und die damit einhergehenden bürgerlichen Werte sowie die ökonomische Wachstumsideologie nicht in Frage, sondern erklären diese zu schützen und zu mehren um sich den Bürgern als ihre Interessen vertretend anzubiedern. *1
    Das heißt aber auch, dass erst dann, wenn die Menschen begriffen haben, dass mit ihrer Lebensweise ihre Existenz als Gattungsart gefährdet ist, sie eine andere ehrlichere Politik in ihrem Wahlverhalten honorieren werden. Ohne ein paar extreme Wetterereignisse in den nächsten Jahren die das Zeug haben die Menschen einzuschüchtern, werden wir wohl zu lange, mit den Heute schon überfälligen Veränderungen warten müssen, die vor allem den sozialideologischen Überbau betreffen, um noch entscheidend der Klimaveränderung das CO2 zu nehmen.
    Menschen werden anscheinend nur durch Schaden klug. Zynischer weise werde ich ab jetzt jede Wetterkatastrophe mit Freude begrüßen. Die Hoffnung durch Aufklärung was zu erreichen kann man getrost vergessen. Viva la muerte, damit das Leben weiter gehen kann. Der Opferkult hat doch noch nicht ausgedient. Die Götter verlangen immer noch nach Menschenfleisch. Die Kreuzzüge gegen die ungläubigen Barbaren konnten wir nicht gewinnen, da wir schon immer die Barbaren selber waren.
    Zack, und schon bin ich wieder am Aufklären, weil die Barberei der Sündenfall ist bzw. die Entfremdung des Menschen von seinen eigentlichen Mensch-Sein thematisiert. Diese Entfremdung, dass ist die Wurzel der zivilisatorischen Entwicklung an deren Ende wir wohl anscheinend angekommen sind.
    Als die Europäer begannen die Welt zu eroberten zerstörten sie alle anderen Kulturen, vor allem solche, die ihnen zeigten dass man im Diesseits glücklich, froh, sorgenfrei und ohne argwohn in den Tag hinein leben konnte. Das durfte nicht sein und deshalb waren die anderen Menschen keine, sondern Wilde, Barbaren ohne Zivilisation und Glauben, schamlos. Denn für den Christen konnte es nur Erlösung nach dem Tod geben, weil der Mensch durch die Ursünde durch das Fleisch von Natur schlecht ist. Die Glückseligkeit war dem Jenseits vorbehalten, oder im Kloster als willfähiger Diener Gottes konnte man durch Askese und Meditation in religiöser Verzückung Momente dieser Glückseligkeit erfahren. Die Glückseeligkeit aber ist nichts anderes als die Erfahrung die wir erleben, wenn wir uns Selbst vergessen, eins sind im orgastischen Momenten der Liebe, im Spirituellen eins sein mit der Masse, oder im Zwiegespräch, im Gebet mit einer imaginierten Macht die ganz für mich da ist, der ich mich anvertrauen kann, in der Erfahrung von Entgrenzung.
    Kurz gesagt, wenn wir uns angstfrei Anvertrauen, wir Urvertrauen zulassen, frei vor der Angst Missbraucht und Hintergangen zu werden, was in einer Kultur des Misstrauens und nicht anderes stellt die Konkurrenzgesellschaft dar, ständig droht. Der Begriff der Hingabe sagt nichts anderes als das ich Vertrauen kann. Liebe ist daher nur ein anderes Wort für Vertrauen. Genau wie in der Entwicklungspsychologie der Begriff Bindung diesen Begriff Vertrauen ersetzt, da das Vertrauen prinzipiell als kindliche Naivität gesehen wird. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
    Was blieb war das Streben nach Macht. Der Materialismus das Streben nach materiellen Werten, niemals zufrieden mit dem sein zu können was man hat, weil nur der Fortschritt im allgemeinen Wettbewerb ein gutes Leben verspricht, dass ist die Fortsetzung der Entfremdung, weil der Mensch immer noch nicht begriffen hat was er mit der sogenannten Zivilisation verloren hat.
    Die Fähigkeit eins zu sein mit dem Da-Sein. Weniger Kryptisch
    Bevor es Religion gab lebten die Menschen nicht getrennt von der Natur sondern mit ihr. Alles was war und ist, ist auch Teil von mir. Die Trennung von Subjekt Objekt gab es so nicht. Alles ist beseelt sind Bruder und Schwester ohne wertenden Unterschied. Daher bedankte sich der sogenannte Wilde bei seiner erlegten Beute nach der Jagt, dass es sich geopfert hatte damit er/sie leben konnte. Die Natur zum Objekt zu machen, zum Mittel zu Zwecken, dass war die Ursünde die den Menschen im Ritus der religiösen Opfergabe erhalten blieb. Die Macht über die Natur wurde dann auch bald zur Macht über seinesgleichen, wobei die Götter die jetzt entstanden die Abbilder der eigenen tiefenpsychologischen Schuldanerkennung dieser Entfremdung waren und deren Wohlgefallen man durch Sühnehandlungen zu erkaufen suchte.
    Der Fortschritt den wir feiern ist nur technologischer Natur. Sozialpsychologisch sind wir genau so primitiv geblieben wie die ersten Menschen die Götterbilder aufstellten, weil wir von irren Weltbildern beherrscht werden wie diese Altvorderen. Nur die Symbole und Mittel haben sich gewandelt. Wir reden von Freiheit und sind doch die im Geiste unfreisten getrieben, rastlosesten Menschenwesen aller Zeiten. Unser Gott ist das Geld und der Glaube nennt sich Ökonomie und die Religion ist das Recht und seine Systeme. Es regelt alles und dem „natürlichen“ Recht unterwerfen sich alle und die es nicht tun sind Verbrecher, die Regelverstoßer, die Terroristen die Barbaren, Anarchisten. 12.01.19
    Hierzu Jochen Hörisch
    Tauschen, sprechen, begehren
    Eine Kritik der unreinen Vernunft
    Kritik vorab. Klaus Rehberg
    > > Jochen Hörisch unterstellt mit Sohn-Rethel den Tauschakt zwischen Menschen als eine ontologische Konstante (abstraktes Denken), insofern mit der Fähigkeit zum abstrakten Denken, abstraktes in Wert setzen in die Welt kam . Das aber ist es nicht.
    Klaus Sep. 2011 siehe Buch Seite 24
    Die des ersten Kapitels (Tauschen) gelten durchweg den Thesen und Theorien Alfred Sohn-Rethels, also einem neomarxistischen Philosophen, der in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts vergleichsweise breit rezipiert wurde, gegen den sich die akademische Philosophie aber abschottete und der mittlerweile weitgehend vergessen ist. Dabei verdient seine Intuition nach wie vor alle Aufmerksamkeit. Sie lautet: Verstand und Vernunft haben eine bemerkenswert unreine Genealogie. Denn sie verdanken sich dem über das Medium Geld vermittelten Tausch, der die Grundfigur von Abstraktion ist.
    Und Seite 32 Kopie 9
    Warenform und Denkform sind eng zusammengehörige Elemente ein und derselben Formation; ja, das kantische Transzendentalsubjekt ist in und mit der Warenform gegeben. Nicht zufällig „entsteht die Form abstrakten, logischen Denkens gleichzeitig mit der Münzprägung in Ionien um 680 v. Chr.“ Denn die getauschten Dinge sind nicht gleich (sonst wäre der Tausch ja auch völlig unsinnig), doch der geldvermittelte Tauschakt setzt sie gleich.

    Menschliche Beziehungen bestehen und sind angewiesen auf den Austausch von und aus Liebe und Hingabe aus der Tatsache ihres angewiesen Seins. Tauschen um einen Gegenwert zu erhalten aber ist eher etwas, was zwischen Fremden stattfindet zu denen man ein Mißtrauensverhältnis hat. Dieser Akt entspringt einer kulturellen Entwicklung die sich auch ganz anders hätte entwickeln können. Die Inwertsetzung und die Entwicklung des Geldverkehrs sind keine zwingende Entwicklungen in der Menschheitsgeschichte gewesen. Daher halte ich auch die Theorie von Sohn-Rethel für falsch, dass erst durch den Tausch das abstrakte Denken entstanden ist. Ohne abstraktes Denken hätten die Frühmenschen im Stein nicht die Spehrspitze sehen können.
    Man muß zwischen Austausch und Tausch unterscheiden.
    Austausch: Das profanste Mittel ist die Sprache um seine Bedürfnisse, Wünsche und Absichten zu kommunizieren.
    Unter Freunden und Verwandten ist gegenseitige Unterstützung, zumindest in nicht monetär überprägten Gesellschaften, durch den Austausch von Fähigkeiten und Mitteln üblich bzw. Überlebensentscheidend. Die Menschen teilen, sie teilen sich mit, sie verhalten sich kooperativ zum gegenseitigen Nutzen. Sie berechnen nicht und kontrollieren nicht, weil sie einander Vertrauen (müssen). Der Austausch von Produkten und Mitteln verfolgt das Ziel der gegenseitigen Unterstützung.
    Der Tausch dagegen hat schon den Zweck gleichwertiges zu bekommen, wobei was gleich Wert ist, noch von einer sehr subjektiven Sicht der sich Austauschenden bestimmt wird. Es ist ein verhandeln unter Fremden von denen man nicht weiß ob man ihnen vertrauen kann. Das Fremde ist immer schon Angst besetzt.
    Wenn es eine zentrale menschliche Kategorie gibt, dann ist es das Vertrauen. Ist das Vertrauen gebrochen führt das Mißtrauen zu Vorsicht und Kontrolle.
    Kontrolle ist der Anfang aller Berechnung. Von hier ist es dann nur noch ein kleiner Schritt, dass aus dem normalen bewerten ein werten wird und weiter, ein “in Wert setzen“ durch alleinige Verfügungsgewalt. Nicht alle Kulturen haben diesen Schritt vollzogen. Die es nicht taten haben wir vernichtet.
    Mythologisches Denken ist hoch abstrakt und das Äquivalentprinzip im Tausch ist es auch. Auf mystische Weise werden unvergleichliche Dinge einheitlich. Es ist doch eher so, dass im Geld das mystische Denken konserviert wurde.
    Würde Logik und Vernunft herrschen, würden wir die destruktiven Kräfte erkennen die mit der Geldsphähre einhergehen und uns von dem Wahn verabschieden, der uns zu Gefangenen unserer eigenen Vorstellungen werden ließen. ISBN: 978-3-446-23072-9
    Mystisches denken in der Moderne, Menschen wollen glauben
    *1 „Just Transition“: Umkämpfte Gerechtigkeit beim UN-Klimagipfel 2018
    Sybille Bauriedl https://klimadebatte.wordpress.com/author/bauriedl/ ganzer Text
    UN-Klimagipfel im Dezember 2018 in Kattowice
    Schlesische Deklaration für Solidarität und einen gerechten Übergang“
    Die Unterzeichner der Deklaration fordern einen Paradigmenwechsel der internationalen Klimapolitik für eine klimaresiliente Wirtschaft und Gesellschaft, die hohes Wachstum sichert und gleichzeitig einen gerechten Übergang der Erwerbstätigen gewährleistet. Die betroffenen Beschäftigten fossiler Industrien sollen mit neuen Arbeitsplätze versorgt werden. Der Arbeitsstandard und der Wohlstand von Arbeitern und ihren Familien soll durch die nationalen Emissionsreduktionbeiträge und durch Klimawandelanpassungen nicht gefährdet werden. Ein gerechter Übergang soll mit neuen Qualitätsarbeitsplätzen in den betroffenen Regionen verbunden werden.
    Und weiter
    Schon der neunte Petersberger Klimadialog im Juni 2018 stand unter dem Motto „Changing together for a just transition“. Der Dialog dient für die deutsche Bundesregierung dazu, die Koalition der klimaschutzwilligen Staaten auf eine einzuschwören, versicherten die delegierten Minister*innen, dass sie die anstehenden Veränderungen im Sinne einer „Just Transition“ sozial gerecht gestalten wollen. Der Präsident der 24. Weltklimakonferenz, Staatssekretär Michal Kurtyka, hatte schon dort formuliert: „Die Menschen gehören in das Herz unserer Politik. Das heißt, dass unsere Klimapolitik Vorteile für die Gesellschaft und einen gerechten Wandel für alle Bürgerinnen und Bürger sicherstellen muss.“ Gemeint war die Gesellschaft der Industriestaaten, die nach einem Viertel Jahrhundert internationaler Klimaverhandlungen in Zukunft nun auch die Lasten des Klimaschutzes zu spüren bekommen werden. Und diese sollen vorausschauend abgefedert werden.
    Das ist der europäische Klimakonsens Klientelsolidarität
    https://klimadebatte.wordpress.com/author/bauriedl/
    Zum diskursiven Kontext der Schlüsselbegriffe der Klimadebatte
    Sybille Bauriedl
    Klimaschutz ist notwendig, um die Weltbevölkerung vor zunehmenden Problemen des Klimawandels zu bewahren. Dieser globale Konsens hat zu umfangreichen internationalen Vereinbarungen und Aktivitäten geführt, aber bisher nicht die globale Erwärmung gebremst. Diese Dynamik lässt sich erklären, wenn der Klimawandel nicht nur als naturwissenschaftliches Phänomen betrachtet wird. Soziale und ökonomische Dynamiken haben großen Einfluss auf den Klimawandel und auf mögliche Lösungswege. Seitdem der Klimawandel ein politisches und gesellschaftliches Thema geworden ist, dient er auch zur Legitimation eines neoliberalen, globalisierten Wirtschaftsmodells. Die Überzeugungskraft dieses Modells lebt von einer Zukunftsvision, die zur Tatsache erklärt wird: Anhaltendes Wirtschaftswachstum sei mit immer geringerem Umweltverbrauch möglich. Verbunden wird dieses Wachstumsideal mit dem Versprechen, dass mit einem Klimaschutz, der marktwirtschaftlichen Gesetzen folgt, nicht nur der Klimawandel, sondern auch andere drängende globale Probleme gelöst werden können.

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