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Wie weiter mit der Wachstumsfrage?

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Grün und nachhaltig soll die Zukunft sein, darüber sind sich alle einig. Gestritten wird vor allem um die richtige Strategie: Effizientere Technik oder ein Kulturwandel in Richtung Genügsamkeit? Reinhard Loske will beides und setzt sich mit KritikerInnen auseinander.

Zwei Jahre nach Erscheinen seines ersten Essays „Abschied vom Wachstumszwang“ legt Reinhard Loske nach. „Wie weiter mit der Wachstumsfrage?“ heißt das neue Büchlein folgerichtig. Wurden im ersten Essay „Konturen einer Politik der Mäßigung“ vorgestellt so versteht sich der zweite Wurf ausdrücklich als ein Antwortversuch auf die kritischen Argumente der Gegenseite. Denn „was heute nottut, ist eine weitere Schärfung der eigenen Argumente, ein besseres Erklären der Alternativen zum Wachstumszwang und vor allem das Werben dafür“, so Loske im Vorwort.

Auf 88 Seiten werden dann Argumente geschärft und Alternativen beworben, wobei der Autor – wie im ersten Buch – den Drahtseilakt unternimmt, Anschlussfähigkeit in alle Richtungen zu wahren, ohne dabei die „Seele der ökologischen Politik“ zu verraten. Man kann sich Loske bei dieser versuchten Quadratur des Kreises förmlich als Moderator zwischen Fundis und Realos der Grünen vorstellen. Beide Seiten wären wohl nicht ganz einverstanden mit dem Ergebnis, könnten es aber auch nicht ohne Weiteres ablehnen.

Die Kritik an Loskes Thesen, als Frage zusammengefasst, lautet ungefähr so: „Abgesehen davon, dass es systemisch gar nicht denkbar wäre, wirkt die ganze mit Verzicht verbundene Postwachstumsrhetorik nicht viel zu abschreckend und kommt sie nicht außerdem noch aus dem Wohlstandssessel?“ Loske antwortet, dass es ganz einfach darum gehe, „wie wir mit deutlich weniger Ressourcenverbrauch den Zielen Lebensqualität, gesellschaftlicher Zusammenhalt und ökonomische Vitalität näher kommen können“. Dabei verspreche nur eine Strategie, die Effizienz und Suffizienz miteinander verbinde, Erfolg. Also nicht nur energiesparende Glühbirnen eindrehen, sondern auch weniger Lampen aufstellen. Es müssten bestehende Strukturen umweltfreundlicher gestaltet – und gleichzeitig neue Strukturen aufgebaut werden. Beim Thema Mobilität hieße das sowohl Benzin- durch Elektroautos zu ersetzen, als auch Car-Sharing und öffentlichen Verkehr zu fördern. Neue Technologien und ein Kulturwandel müssten sich die Hände reichen. Handlungsorientierte Politik dürfe die kritische Analyse nicht verdrängen.

Zum Schluss wagt sich Loske neben diesem bekannten aber deshalb nicht abwegigen Mantra sogar an die Systemfrage. „Lässt sich von Nachhaltigkeit reden und von Kapitalismus schweigen“ fragt er und kommt zu der vieldeutigen Aussage, „dass wir vor dem Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen“ stünden.

Dem kann wohl jeder zustimmen, obwohl und gerade weil nicht ins Detail gegangen wird. Das ist Stärke und Schwäche zugleich und gilt für das gesamte Buch. Es gewährt besonders EinsteigerInnen einen guten Überblick über die Wachstumsdebatte und bietet durch seine besondere Bezugnahme auf die Gegenargumente auch den LeserInnen des ersten Essays Neues. PostwachstumsspezialistInnen hingegen sei „härtere“ Lektüre ans Herz gelegt. Seinem eigenen Anspruch, das „Unbehagen in der Wachstumsgesellschaft“ durch das „glaubhafte Aufzeigen von Wegen“ in eine ökologisch und sozial verträgliche Zukunft in eine gemäßigte Zuversicht zu transformieren, wird Loske mit diesem Buch jedoch gerecht.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Seminars „Postwachstumsökonomie“ an der Universität Witten/Herdecke in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

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