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genug! – Es ist Zeit zu handeln

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Im Juni dieses Jahres ist eine Kampagne von Suffizienz-Pionier/innen gestartet. Unter dem Titel „genug“ - Es ist Zeit zu handeln“ können auf der Webseite genug.de Interessierte eine entsprechende Erklärung unterzeichnen und mit anderen Beteiligten in den Dialog treten, um sich gemeinschaftlich auf den Weg zu einem umweltgerechten Lebenswandel zu machen. Ziel der Kampagne ist es, gemeinsam zu handeln, ohne dabei die Qualität des eigenen Lebens aus dem Blick zu verlieren.

Die Kampagne richtet sich bewusst an engagierte Vorreiter/innen. Sie und ihre Themen sichtbar zu machen, ist Aufgabe der Kampagne. Die genug!-Webseite wird dazu dienen, die Menschen auf ihrem Weg in einen ressourcenleichten Lebenswandel zu begleiten, sie miteinander in Kontakt zu bringen und ihnen so helfen, einander Anregungen zu liefern.

Das Ende einer Ära

Gesellschaftlich schleichen wir uns an einer Wahrheit vorbei, die uns unvermeidlich einholen wird: Wir werden in Zukunft weitaus weniger verbrauchen können!

Die nahezu unbegrenzte Verfügung über Energie, Nahrung, Vergnügungen und Zerstreuungen für einen Teil der Menschheit wird in diesem Umfang nur eine kurze Episode auf diesem Planeten gewesen sein. Wir werden in absehbarer Zeit nicht mehr alle erdenklichen Dinge an jedem Ort zu jeder Zeit zur Verfügung haben.

Eine Lösung ist in dieser Hinsicht auch nicht durch Effizienzsteigerung zu erwarten. Denn wir kaufen nicht nur effizientere Geräte, sondern zugleich auch immer mehr von allem. Es gibt nur einen Ausweg: Die bewusste und nachvollziehbare massive Begrenzung der Nutzung natürlicher Ressourcen.

Wenn wir den Planeten Erde in seiner Vielfalt und seinem Reichtum erhalten wollen und wenn wir es mit Ressourcengerechtigkeit ernst meinen, kommen wir um ehrliche Antworten nicht herum. Es gibt ökologische Grenzen eines fairen, würdigen Lebens. Und wir überschreiten sie, täglich, immerzu. Daher benötigen wir schnellstmöglich neue Probefelder für alternative Wirtschaftsweisen. Noch haben wir die Möglichkeit, aktiv und konstruktiv den unvermeidlichen Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft anzugehen - anstatt von ihm in den nächsten Jahrzehnten überrollt zu werden. Denn es ist von allem genug da - wenn wir beginnen, darüber zu sprechen, wann es reicht, wann es „genug“ ist, wo die notwendigen und unvermeidlichen Grenzen unserer Nutzungen und Aneignungen liegen.

Der Beginn von etwas Neuem: Die Kampagne für Suffizienz-Pionier/innen

Wir können die Welt nicht im Ganzen und sofort ändern. Aber wir können unsere Verantwortung wahrnehmen. Gemeinsam, entschieden - und so nach und nach der Welt eine neue Gestalt geben. Es braucht eine andere Kultur des „genug!“. Es braucht einen gemeinsamen Anfang.

Es bedarf einiger Umgewöhnung, es bedarf des Experimentierens mit neuen Lebensstilen. Und sicher ist es hier und da auch unbequem und beunruhigend. Doch ein angenehmes und erfülltes Leben, das ist allemal mit weitaus geringerem ökologischem Fußabdruck machbar.

Es geht tatsächlich um eine von Grund auf neue Kultur. Wir wollen gemeinsam und vor Ort den Umbau der Gesellschaft durch unser eigenes Voranschreiten befeuern. Die genug!-Kampagne versteht sich hierbei als ein undogmatischer Weg, sich zu vernetzen und gemeinsam zu handeln. Denn es geht darum, sich auszutauschen über Lösungen, Schwierigkeiten und Wege bei der Erprobung ressourcenleichter Lebensstile. Bewusst richten wir dabei den Blick auf das lebendige Potential - nicht dogmatische Grundsatzerwägungen, sondern die Schönheit des Wandels soll im Mittelpunkt des gemeinsamen Weges stehen.

Der individuelle Lebensentwurf als Keimzelle gesellschaftlichen Wandels

Die genug!-Kampagne setzt darauf, dass sich die Akteure selbst erste notwendige Grenzen setzen und damit experimentieren. So unterschiedlich wie die Menschen, so unterschiedlich sind auch ihre Ziele: Keine Flüge, ein Limit für tierische Produkte, kaum Plastik, ein Limit für Luxusgüter oder Energieverbrauch.

Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer wird sich neue Möglichkeiten erschließen, dabei aber auch auf jeweils eigene Schwierigkeiten und an die eigenen Grenzen stoßen. Diese Möglichkeiten und Hindernisse miteinander zu teilen und sichtbar zu machen, wird in Folge eines der großen Potentiale des genug!-Projektes sein.

Derzeit haben 80 Menschen die Erklärung unterzeichnet. Ab Ende Oktober werden auf der Webseite monatlich neu einzelne Teilnehmende in Reportagen und Videos vorgestellt werden, 2019 ist ein erstes überregionales Treffen geplant. Ziel ist es, bis Ende 2028 die Kampagne zu einer Gruppe von mindestens 10.000 Menschen anwachsen zu lassen, die den überfälligen Kulturwandel hin zu einer Postwachstumsgesellschaft aktiv betreibt.

Zur Webseite der Kampagne:

https://www.genug.de/

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