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Der Nachhaltigkeit einen Leuchtturm bauen. Sie hat es verdient.

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N21_logo_kleinNach einem Jahr Vorbereitung ist vor zwei Monaten www.n21.press online gegangen. Ein ehrgeiziges Projekt, das für die Nachhaltigkeit einen journalistischen Leuchtturm bauen möchte.

Kann das, was in den Niederlanden mit „de Correspondent“ gelungen ist, auch im deutschsprachigen Raum gelingen? Mit einem auf „Nachhaltigkeit“ und „Lösungen“ abzielenden Journalismus? Ein österreichisch-deutsches JournalistInnenteam ist überzeugt davon und hat diesen Schritt gewagt. Es möchte noch in diesem Jahr eine Genossenschaft gründen und freut sich über jede Art von Mitarbeit und Unterstützung.

Man muss heute schon „NachhaltigkeitsexpertIn“ und mit Querschnittsfragen beschäftigt sein, um die ganze Bandbreite dieser Thematik zu kennen. Täglich erscheinen Newsletter, die sich mit sozialen, ökologischen oder ökonomischen Aspekten der Nachhaltigkeit beschäftigten, aber stets auf einen Aspekt fokussiert sind: Wie geht nachhaltiges Wirtschaften? Wie geht eine nachhaltige Welternährung? Wie geht Arbeit oder Mobilität, wenn nur noch das richtige Wachsen soll? Was bedeutet Kreislaufwirtschaft ganz konkret und wie denkt die EU darüber?

Überall erfinden sich wissenschaftliche Disziplinen neu und weltweit sind Menschen in Bewegung und auf der Suche nach einer Entwicklung, die nicht nur den heute lebenden Menschen sondern auch künftigen Generationen gerecht wird. Umso erstaunlicher ist es doch, wie wenig die normalen Medien davon berichten.

Hier auf diesem Blog diskutieren wir die Wachstumsfragen. Andere Teil-Öffentlichkeiten beschäftigen sich mit der Frage nach dem Geldsystem, der Bildung, der Gemeinwohlwirtschaft oder der ökosozialen Steuerreform oder sie sind auf der Suche nach spirituelleren Inhalten. Es gibt inzwischen so viele Teil-Öffentlichkeiten und Communities, die sich mit Teilaspekten der Nachhaltigkeit beschäftigen, dass es immer schwerer ist, den Überblick zu behalten. Viele wissen nichts über einander. Vor allem für die Jüngeren trifft das zu. Das ist bedauerlich, denn wüssten wir alle mehr voneinander, dann könnten wir nicht nur besser zusammenarbeiten, wir wären ganz sicher auch mutiger!

Noch besser wäre es, wir wären in der Lage diese wichtigen Themen immer mehr Menschen verständlich zu machen, weil es uns gelingt, sie so zu erzählen oder aufzubereiten, dass sie spannend sind. Damit wir mehr Menschen für die Mitarbeit und Gestaltung der Wende gewinnen und damit immer mehr Menschen Teil der Lösung des Problems werden, zumal es ja auch schon so viele kluge und inspirierende Lösungen in vielen Bereichen gibt. Weil doch schon so viel möglich ist und geht.

Wer sich als Naturschützer, als BürgerIn in einer NGO oder als Wissenschaftler engagiert, weiß wie schwer es ist, diese Themen in den Medien unterzubringen. Auf der Abschlusskonferenz des Projektes für Nachhaltigen Journalismus in Lüneburg wurde berichtet, dass Nachhaltigkeit als Begriff zwar immer öfter richtig benutzt wird (immerhin) aber immer noch extrem selten. Die wirklich überlebenswichtigen Themen der Menschheit nehmen noch immer einen viel zu kleinen Raum in den Medien ein und werden selten lösungsorientiert. Ihre „Unlösbarkeit“ und „Größe“ erzeugt ein Gefühl der Hilflosigkeit. Und man gewinnt immer wieder den Eindruck, als seien alle Ereignisse und Themen gleich wichtig.

Dem ist aber nicht so! Manche Probleme haben das Potential Millionen von Menschen das Leben zu kosten. Schlagzeilen machen aber sehr oft Themen, über die Übermorgen niemand mehr redet. Wir brauchen Medien die die Relevanz von Themen und Entwicklungen und ihre Reichweite adäquat widerspiegeln.

Jugendliche sind über die klassischen Medien gar nicht mehr zu erreichen. Ihr Medium ist das Internet und eher das Video als der Text. Wir müssen also noch intensiver darüber nachdenken und daran arbeiten, medial mit der Zeit zu gehen.

N21 will allen, die sich für eine bessere Zukunft und eine nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweise einsetzen, die darüber Bücher schreiben, forschen oder in BürgerInneninitiativen und NGOs tätig sind, in seiner Arbeit den Raum geben, den sie verdienen und sich mit ihnen vernetzen. Weil es wichtig ist, dass WIR EINANDER BEDEUTEND GENUG sind, um miteinander zu sprechen und voneinander Kenntnis zu nehmen.

Denn wenn schon wir uns nicht wichtig genug nehmen, wer dann? Und wenn wir es nicht schaffen uns unsere eigene Öffentlichkeit zu schaffen, weil wir es uns gegenseitig nicht wert sind, wer dann? Dann hätten wir die Medien, die uns ignorieren, tatsächlich auch verdient. Wer nicht bereit ist, gute Medien zu unterstützen, muss mit denen vorlieb nehmen, die von der Werbung leben.

Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, wie wichtig der Zusammenschluss der Aktivisten des ökologischen Landbaus im Bioland-Verband war und vor allem die Gründung der BIO-Fach-Messe. Dieser Schritt der Professionalisierung und der Schritt in die Öffentlichkeit waren ganz entscheidend für diese Bewegung.

Der Umbruch in den Medien, der jetzt im Gange ist, macht vieles möglich, was in der Vergangenheit undenkbar war. Wäre es nicht schön, wenn die Degrowth- bzw. Nachhaltigkeitsbewegung, die VeganerInnen und KlimaschützerInnen, die vielen, die sich in Genossenschaften engagieren, sich fürs Grundeinkommen oder für eine Care-Economy einsetzen, wenn sie alle diese historische Chance nutzen würden, um eine Nachrichtenwende auf den Weg zu bringen? Um die ganze Vielfalt und Stärke dieser Bewegung auf einer oder mehreren Plattformen sichtbar zu machen?

www.N21.press ist offen für jede Art der Kooperation. Wir suchen GenossInnen, MitstreiterInnen, InformantInnen, AutorInnen und natürlich auch AbonnentInnen und UnterstützerInnen.

In den nächsten Wochen und Monaten schreiben wir täglich weiter. Geben wöchentlich einen Newsletter heraus. Und starten in Kürze mit dem Crowdfunding.

von

Christine Ax ist Philosophin und Ökonomin. Sie hat das Handwerk des Journalismus bei einer Zeitung in Ostwestfalen erlernt. Sie forscht und schreibt seit Anfang der 90er Jahre über Aspekte des nachhaltigen Wirtschaftens. In ihren letzten Büchern „Die Könnensgesellschaft“, „Wachstumswahn“ Und „Reise in das Land der untergehenden Sonne – Japans Weg in die Postwachstumsgesellschaft“ beschäftigt sie sich mit der Bedeutung und mit Auswegen aus der Wachstumsfalle. Sie arbeitet und schreibt in Hamburg und in Wien (Sustainable Europe Research Institut) und ist Mitglied Netzwerk Vorsorgendes Wirtschaften.

3 Kommentare

  1. Genau ! Es bringt mich seit Jahren jedesmal auf die Palme, wenn in den Mediennachrichten nicht über die allerwichtigsten Vorgänge auf dem Planeten berichtet wird, sondern wenn ein Mischmasch aus Banalitäten und den den spektakulären Symptomen ungelöster Probleme (aktuell das Flüchtlingsproblem) gesendet wird.
    An der Tatsache dass sich viele Probleme immer weiter ausweiten wird erkennbar dass die ganze Medienflut wenig zur Lösung der Missstände beiträgt. Im Gegenteil
    sorgt sie für Verwirrung und Ablenkung der Medienkonsumenten.

    Im riesigen Medienangebot wäre zumindest ein Sender (TV/Radio/Print) erforderlich der täglich unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit über die Weltentwicklung berichtet. Da müssten dann täglich Schreckensmeldungen über un-nachhaltige Entwicklungen verbreitet werden, die in den konventionellen Medien vielleicht positiv dargestellt werden (neue Flughäfen, Straßen, Exporterfolge uvm.)

  2. Über Themen wie zB. Flächenverbrauch, Urwaldrodung, Artenvernichtung, Luftbelastung, Müllerzeugung ,Klimaextreme, menschliche Unterversorgung, Bevölkerungswachstum… sollte täglich wie über die Börsenkurse und Sportereignisse berichtet werden, zumindest in einem Sender von Hundert (für die das Letztere wichtiger ist)
    Und im Gegensatz zu den konventionellen Medien sollten zu allen Problemen auch Lösungsansätze dargestellt werden (das Problem der anderen Medien besteht ja auch darin dass diese von den Missständen leben).

  3. „Weltweit sind Menschen in Bewegung“ – die Formulierung hat mir gefallen
    und zum Thema „wie bekommen wir die Transformation in die Köpfe unserer Nachbarn“ habe ich gerade auf meinem Blog etwas veröffentlicht. Unter dem Titel „Jetzt klär mich mal jemand auf“ mache ich Werbung für eine etwas umgedeutete Idee von Ulrich Schachtschneider.
    In Sachen „Jugend“ hätte ich auch einen Beitrag, für den ich allerdings akut etwas Hilfe gebrauchen könnte. In Wikipedia, was ja von der Jugend stark genutzt wird, habe ich einen Artikel zu „Große gesellschaftlichen Herausforderungen“ veröffentlich, der wie viele neue Artikel vom sofortigen Löschen bedroht ist. Prof. Joachim Funke konnte ich bereits zu einem Eintrag auf der Diskussions-Seite motivieren. Weitere Einträge wären enorm hilfreich 🙂 … https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Gro%C3%9Fe_Gesellschaftliche_Herausforderungen

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