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Bericht vom Otzenhausener Kolloquium „Wege aus der Wachstumsökonomie“

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Vom 09.03.-11.03.2013 fand in Otzenhasuen das 2. Kolloquium der Stiftung „Forum für Verantwortung“ unter dem Thema „Wege aus der Wachstumsökonomie“ statt.

Vom Förderverein Wachstumswende waren wir mit sieben Mitgliedern vertreten und erlebten zusammen mit etwa 50 Nachwuchswissenschaftler*innen spannende Diskussionen über konkrete Handlungsmöglichkeiten zur sozial-ökologischen Wachstumswende.

Dazu erfolgten Impulsvorträge von Klaus Wiegandt, Niko Paech, Bernd Sommer, Harald Welzer, Wolfgang Ulrich, Reinhard Loske und Hans Diefenbacher.

Als kurze Zusammenfassung hier eine kleine subjektive Reflektion dieser Tage:

Gemeinsamkeiten und Dissense im Postwachstumsdiskurs

Von den Referenten wurden inhaltlich fundiert die historischen und kultursoziologischen Grundpfeiler von Wachstumsökonomien dargelegt. In den Streitgesprächen wurde kontrovers diskutiert, welche transformativen Wege in eine Postwachstumsökonomie führen und wie Wissenschaft, Politik sowie Warenästhetik und Individualkonsum dabei mitgestalten können.

Unterm Strich wurde sich in den Diskussionen gefühlt zu intensiv an den Unterschiedlichkeiten der jeweiligen Theorie abgearbeitet – in der berechtigen Hoffnung auf fruchtbare Erkenntnisse durch den Dissens. Zukünftig wäre es jedoch wertvoll, zusätzlich über die Gemeinsamkeiten nachzudenken. Wie ließe sich beispielsweise die Forderung einer solidarischen Postwachstumsökonomie (Niko Paech) mit der Warenästhetik einer commonsbasierten Suffizienz bzw. „Gemeinsam weniger haben wollen dürfens“ (Wolfgang Ulrich) zu einer attraktiven „Geschichte des Gelingens“ (Harald Welzer) stricken, die von einer Politik der Suffizienz (Reinhard Loske) positiv flankiert wird und nicht in Kulturpessimismus mündet? Zugegeben: Abstrakte Frage.

Konkrete Wege in die Postwachstumsgesellschaft

Handfester wurde es in abschließenden Workshops mit dem Thema „Wie kommen wir KONKRET in die Postwachstumsgeselltschaft“. Eingeteilt in zufällig zusammengewürfelte Arbeitsgruppen, sollten wir uns in sehr kurzer Zeit genau dazu Gedanken machen – mit der Aussicht auf eine Unterstützung in Höhe von 3000 € für die beste Idee. Die Ergebnisse begeisterten und verstörten die Jury gleichermaßen; So waren alle Teilnehmer einerseits sehr produktiv und es wurden Ideen von einer „Reparierkultur mittels Flashmobs“ über ein „Travelwiki für Fernreisen“ zu „Soziallaboren für Postwachstumsgesellschaft zum Üben von Gemeinschaft“ dargestellt.

Andererseits war die Karotte des Preisgeldes dabei nicht das motivierende Moment und wurde von den TeilnehmerInnen teilweise gar als Element einer konkurrenzorientierten und beschleunigten Wachstumsökonomie kritisiert. Motivierend war vielmehr der spürbar gemeinsame Wille die Zukunft positiv zu gestalten und dafür – schon fast dadaistisch – den gemeinsamen Prozess wichtiger als das Produkt werden zu lassen. Dieser Common(s) Sense führte soweit, dass einige Gruppen lieber erstmal eine Nahreise in den Wald unternahmen, um dort konkret entschleunigt Freiraum zum Kennenlernen und kreativen Ausprobieren zu haben. Die ausgewählten Preisträger (Travelwiki „Fluglosgluecklich“) wollten schließlich das Geld sogar nicht für sich allein beanspruchen, sondern lieber der Runde zur gemeinsamen Verfügung stellen.

Fazit: Die Wege in die Postwachstumsgesellschaft führen durch die Wälder, entlang von gemeinsamen Erfahrungsräumen zur Erprobung neuer sozialer Praktiken und Entwicklung von Dienstleistungen und Produkten für einen kulturellen Wandel, der auf Teilhabe, Kooperation, Genügsamkeit und Gerechtigkeit beruht.

von

Boris Woynowski, Jahrgang 1984, studierte Forst- und Umweltwissenschaften in Freiburg. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Nachhaltigkeitskommunikation, Umweltbildung, Change Management, Postwachstumsökonomie, Transition-Forschung und Onlinekommunikation. Er ist Beisitzender im Vorstand des Fördervereins Wachstumswende und Herausgeber des Buches "Wirtschaft ohne Wachstum?! Notwendigkeit und Ansätze einer Wachstumswende", das im Rahmen einer Lehrveranstaltung des Instituts für Forstökonomie an der Universität Freiburg zusammen mit Studierenden realisiert wurde.

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  1. Die Referenten, die Moderation der Ort, die Verpflegung und der Wald drumrum – das war alles sehrsehr gut. Achtsame Anerkennung und Wertschätzung für die Organisator_innen! Die teilweise intensive Diskussion lag mit absoluter Sicherheit auch daran, dass die Redner und Moderatoren allesamt Männer waren, dafür lege ich die Hand ins (Torf-)Feuer.

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