Rezensionen

Warum Konsum sich ändern muss und wie er sich ändern könnte

Kommentare 1

Irmi Seidl und Angelika Zahrnt plädieren in der Ausgabe 1/2011 der Zeitschrift Luxemburg für einen Wandel vom bisherigen Konsum-Motto „weiter, schneller, mehr“ zu einem „anders, besser, weniger“. Wir fassen die Kernthesen zusammen.

Um diesen Wandel zu realisieren, bedarf es eines gesellschaftlichen Wandels hin zu einer sozial gerechteren Gesellschaft verbunden mit mehr internationaler Gerechtigkeit. Die niedrigen Preise vieler Konsumgüter werden durch ausbeuterische und gefährliche Arbeitsbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern oft erst möglich.

Es kann zudem davon ausgegangen werden, dass eine Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz häufig zu einer ebenso steigenden Nachfrage oder intensiveren Nutzung des gleichen Produktes führt. Somit werden die Einsparpotenziale höchstens teilweise realisiert. Daher ist es nicht sinnvoll, sich allein auf technologische Innovationen zu verlassen.

In einer Postwachstumsgesellschaft hätte der Konsum nicht mehr die Aufgabe, die treibende Kraft des Wirtschaftswachstums zu sein, sondern hätte seine zentrale Aufgabe darin, zu einer verbesserten Lebensqualität beizutragen. Immaterielle Werte wie Freundschaft oder soziales Engagement würden eine gewichtigere Rolle spielen. Die Glückforschung bestätigt, dass sich Wohlergehen und Lebensqualität in den fortgeschrittenen Industrieländern nicht mit mehr Konsum steigern lassen. Stattdessen sind Freizeit, sozialen Beziehungen oder einer gesunden Umwelt die wichtigeren Faktoren.

Die Möglichkeiten, die individuelle Lebensweise in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern, sind, so Seidl und Zahrnt, größer als meist angenommen. Wichtig ist es, bestehende Gewohnheiten zu hinterfragen sowie flexibel zu sein. So könnten beispielsweise mehr Fahrgemeinschaften, gerade im ländlichen Bereich, entstehen. Sollen die Beschäftigten in den Entwicklungsländer gerecht entlohnt werden oder Tiere artgerecht gehalten werden, so sind steigende Preise unumgänglich. Ebenso wird es zu weiter steigenden Energiepreisen kommen. Daher ist es wichtig Haushalte mit niedrigem Einkommen zum Beispiel durch Energieberatung oder spezielle Finanzierungsprogramme für sparsame Elektrogeräte zu unterstützen. Zudem müssen Mindestlöhne und Sozialleistungen die steigenden Lebenshaltungskosten berücksichtigen. Seidl und Zahrnt betonen zudem, dass der Umweltverbrauch stärker vom Einkommen als vom Umweltverhalten abhängt.

Wichtig ist außerdem, dass Alltagswissen und Alltagsfähigkeiten, wie eigenes Reparieren oder Kochen, wieder stärker in der Schulbildung berücksichtigt werden.

Der Wechsel zu nachhaltigen Konsum- und Lebensstilen sollte durch eine andere Organisation und Verteilung der Arbeit befördert werden, welche mehr Menschen an Erwerbsarbeit beteiligt und zugleich neue Freiräume für Freizeit ermöglicht. Das Bildungssystem muss für mehr Chancengerechtigkeit und eine bessere Vermittlung von praktischen Fähigkeiten sorgen. Konkurrenzdenken und Konsumstreben verlieren in einer Gesellschaft mit geringeren sozialen Unterschieden an Bedeutung.

Internationale Gerechtigkeit ist nur durch einen Konsumwandel in den Industrieländern möglich. Doch dieser kann nur realisiert werden, wenn mehr soziale Gerechtigkeit auch national verwirklicht wird.

1 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.