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Peak Oil ist real!

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In meinem vorherigen Beitrag habe ich die Bedeutung des Öls für die moderne Zivilisation herausgestellt und betont, dass diese Bedeutung durch den wirtschaftlichen Aufstieg der Schwellenländer wie China und Indien in den nächsten Jahrzehnten noch rasant zunehmen wird. In diesem Beitrag werde ich aufzeigen, dass dieser Bedeutungszuwachs des Öls diametral im Widerspruch mit Peak Oil steht.

Das Wachstum der Öl-Förderung sinkt bereits

Für die Beurteilung der These des Überschreitens des Peak Oils sind die realen Produktionszahlen entscheidend. Die weltweite Förderung ist zwar bis Ende des letzten Jahrzehnts gestiegen, aber das jährliche Wachstum der Förderung reduziert sich bereits seit den 1970er-Jahren. Deshalb muss die US Energy Information Agency (EIA) seit 2001 ihre Jahresprognosen ständig nach unten korrigieren, besonders stark seit 2005.  Werden die Angaben auf den Energiegehalt von Erdöl pro Barrel umgerechnet, ergeben sich folgende Zahlen für die Weltölförderung[1], wobei nicht außer Acht gelassen werden soll, dass Flüssigerdgas (NGL) und unkonventionelle Ölarten (Unconventionals), kein Öl sind:

Ölproduktion und Ölversorgung in Energieäquivalenten pro Barrel Öl

[table id=3 /]Grundlagen: New Policies Scenarios (NPS) in WEO 2011 und 2012

Die vier Phasen des Ölzeitalters

Unser Wohlstand beruht in hohem Maß auf Erdöl, verbunden mit den größten multinationalen Unternehmen und finanzkräftigen Ölstaaten einerseits und der Abhängigkeit ganzer Regionen, Staaten, Volkswirtschaften und Gesellschaften von Öl andererseits. Das Ölzeitalter weist sich vier überlappende Phasen auf:

(1)      Die erste Phase wurde geprägt von der Entdeckung großer Ölfelder an Land. Easy Oil war billig, reichlich und mit hohem Energiegehalt verfügbar. Erdöl aus arabischen Ländern ermöglichte das Ölzeitalter und die Massenmotorisierung.

(2)      Etwa 100 Jahre nach Beginn der Förderung begann die Exploration im flachen Küstenbereich.

(3)      Mit fortgeschrittener Technik und bei steigenden Ölpreisen (Anstieg von zwei auf acht US-Dollar pro Barrel) folgte Mitte der 1970er-Jahre die dritte Phase, die Förderung in der vorgelagerten Tiefsee (z. B. in der Nordsee).

(4)      Zuletzt kam die vierte Phase mit der Exploration in der tiefen Tiefsee bei Ölpreisen jenseits von 60 US-Dollar. Seit Ende der 1990er-Jahre haben sich die Rohölpreise von 20 auf rund 100 US Dollar pro Barrel erhöht, im Juli 2008 wurde sogar ein Spitzenwert von rd. 140 US Dollar erreicht.

Rentable Ölförderung kommt an ihre Grenzen

Bis heute wurden mehr als 47.500 Ölfelder entdeckt, weniger als ein Prozent davon (rd. 400 Felder) sind Giant Fields. Sie erbrachten ca. 75 Prozent des konventionellen Öls. Die größten Ölmengen wurden bereits vor Jahrzehnten gefunden, der Höhepunkt lag in den 1960er-Jahren. Seitdem nehmen die Neufunde ab. Damit stiegen auch die Grenzkosten der wirtschaftlichen Förderung, von Phase zu Phase nimmt der technische und finanzielle Aufwand zu. Zunehmend werden Technologien am Rande des Machbaren eingesetzt. Der Energy Return on Investment (EROI), der die Ergiebigkeit und den wirtschaftlichen Ertrag bestimmt, sinkt deutlich[2].

Seit den 1980er-Jahren übersteigt die jährliche Ölförderung die Neufunde mit steigender Tendenz. Heute werden weltweit pro Jahr etwa 30 Gb gebraucht, neu gefunden etwa 10 Gb[3]. Die verbleibenden Ölreserven werden auf 1.652 Gb geschätzt[4]. In den letzten 40 Jahren hat zwar die erwartete Reichweite von rd. 30 Jahren auf 42 Jahre zugenommen, aber

  • die Reserven sind zu hoch angesetzt, vor allem im Mittleren Osten, vermutlich um insgesamt 300 Gb[5];
  • die neuen Felder sind oft schwierig auszubeuten, der tatsächliche Energiegehalt der neuen Ölfunde liegt deutlich geringer als auf den großen Landfeldern[6];
  • Dichte, Viskosität, Schwefelgehalt und schwerflüchtige Bestandteilen der Ölfunde fallen bei den neuen Feldern schlechter aus[7].

Peak-Oil ist erreicht

Von zentraler Bedeutung für die Erfassung der real zur Verfügung stehenden Ölmengen sind die (1) globalen Daten, (2) Feld-zu-Feld-Betrachtungen, (3) Unternehmensangaben und (4) Länderstatistiken. Danach ergibt sich folgendes Bild:

(1)       Nach den Globaldaten wurde das Fördermaximum (Peak-Oil) im letzten Jahrzehnt erreicht: Die Internationale Energieagentur (IEA) kommt zu dem Ergebnis, dass der Höhepunkt der Förderung erreicht ist. Im World Energy Outlook 2010 (WEO 2010) wurde Peak Oil, das Fördermaximum des konventionellen Öls, auf das Jahr 2006 datiert[8], im WEO 2011 durch kurzzeitig geringfügige höhere Zacken im Produktionsvolumen auf 2008 korrigiert[9]. In WEO 2012 sind die aggregierten Werte praktisch unverändert geblieben, der Peak für konventionelles Öl beginnt danach im Jahr 2008[10]. Seitdem ist die Ölförderung auf dem Plateau, auf dem sie trotz steigender Nachfrage eine Zeitlang auf dem heutigen Produktionsniveau bleiben wird. Ähnliche Feststellungen finden sich im Januar 2011 bei den Erhebungen der amerikanischen Energy Information Agency (EIA). Danach wurde der Höhepunkt der Ölförderung bereits 2005 erreicht[11]. Die Joint Organisations Data Initiative (JODI), die für die UNO monatlich die Förderzahlen erfasst, datiert das bisherige Maximum der konventionellen Ölförderung auf 2008[12]. Die meisten Öl produzierenden Länder liefern dieser 2002 gegründeten Organisation ihre Daten. Nach den JODI-Zahlen nimmt die globale crude oil Förderung bereits ab[13].

(2)       Von zentraler Bedeutung ist die genaue Erfassung der Produktionsleistung großer Felder, die als beste Datenbasis gelten. Frank Robelius von der Universität Uppsala hat 2005 (und in Updates) die Ergiebigkeit großer Ölfelder (mehr als 500 Mio. Barrel/ 0,5 Gb) in Feld-zu-Feld-Analysen untersucht. Er entwickelte ein Modell, das auf der bisherigen Produktion, den gewinnbaren Reserven und der Rate der jährlichen Abnahme basiert. In diesem Modell errechnet Robelius den Peak Oil in der pessimistischen Variante zwischen 2006 und 2008 und in der optimistischen Variante 2018. Die letztere Variante geht von Annahmen aus, die nicht realistisch erscheinen: stabile Nah-Ost-Region, extensive Ölförderung im Irak, sieben neue Riesenfelder an Land, problemlose Tiefseeförderung sowie massive Ausweitung der unkonventionellen Förderung in Kanada, North Dakota und im Orinoco-Gürtel[14].

(3)       Die Angaben der Ölförderländer über das letzte Jahrzehnt stützen die These vom Peak-Oil. Die Zahlen für 2009 lassen sich einteilen nach Ländern, die ihr Fördermaximum bereits hinter sich haben, am Fördermaximum sind oder erst davor stehen. Danach haben 26 Länder/Regionen ihr Fördermaximum deutlich überschritten. Diese Länder kamen 1997 noch auf 42 Mb/Tag, seitdem ist die Förderung bereits um 6 Mb zurückgegangen. Weitere sieben Länder hatten mit rund 23 Mb/Tag in 2009 das Förderplateau erreicht, die Förderung kann nicht mehr erhöht werden. Nur neun Länder lagen vor dem Fördermaximum mit einem Anteil von 12 Mb/Tag.

(4)       Die Ölangebote der Konzerne sinken. Die Quartalsberichte der acht größten westlichen Ölkonzerne zeigen seit Mitte des letzten Jahrzehnts einen Rückgang an, am stärksten ausgeprägt bei British Petrol, Total, Chevron Texaco und Shell, plateauhaft bei ExxonMobil[15].

Es zeigt sich, dass es nur einen kleinen Unterschied macht, welche Daten zur Ölförderung herangezogen werden. Die Tendenz ist jeweils dieselbe und zwar eindeutig:  der Peak Oil bei konventionellem Öl ist bereits überschritten. In meinem nächsten Beitrag werde ich aufzeigen, dass auch die als Alternativen gehandelten unkonventionellen Ölarten den Peak Oil nicht abwenden können.


[1] ASPO-Deutschland. Die Zukunft der Ölversorgung im WEO 2012 der IEA. Ottobrunn 2012

[2] Jernelov, A.. Institut für Zukunftsforschung. Stockholm. In: Nature 466. Nr. 7303

[3] Ludwig-Bölkow-Systemtechnik. Energiesystem im Wandel. Ottobrunn 2011

[4] BP. Statistical Review of World Energy. London 2012

[5] Campbell, C. J. et al.. Das Ende des Ölzeitalters und die Weichenstellung für die Zukunft. München 2008

[6] EROEI (Energy returned on energy invested) oder kurz EROI (Energy return on investment), dazu auch Simmons, M. R.. Twilight in the Desert. The Coming Saudi Oil Shock and the World Economy. Hoboken 2005

[7] Horsfield, B. et al. Geo-Energie: Konventionelle und unkonventionelle fossile Ressourcen. In: System Erde 2011

[8] International Energy Agency (IEA). World Energy Outlook. Paris 2010

[9] International Energy Agency (IEA). World Energy Outlook. Paris 2011

[10] International Energy Agency (IEA). World Energy Outlook. Paris 2012

[11] EIA. Annual Energy Outlook. Washington 2011

[12] UN. Energy Statistics Yearbook. New York 2012

[13] www.jodidb.org

[14] Robelius, F. Giant Oil Fields – Highway to Oil. Publications.uu.se

[15] Quarterly Company Repoprts, May 2012 / Repsol 1/12 data.

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