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Fragen an die Mitglieder des Nachhaltigkeitsrates

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Bei der kommenden Jahreskonferenz des Nachhaltigkeitsrates wird es ein Bloggertreffen geben. Dort werden einige Ratsmitglieder mit Bloggern diskutieren. Ich werde auch hingehen. Unten sind die Fragen, die ich gern den Mitgliedern des Rates stellen würde. Wenn Ihr weitere Fragen wisst, die ich stellen sollte, schreibt sie als Kommentar. Wenn Ihr Antworten auf die Fragen wisst, schreibt sie auch.

  • Das auf Rio+20 diskutierte Konzept einer Grünen Ökonomie ist eigentlich ein Versuch, eine Auffassung einer global lebenswerten Gesellschaft zu skizzieren und politisch zu verhandeln. Warum wird auf dieser Konferenz eine Auffassung einer global lebenswerten Gesellschaft zum Ausgangspunkt genommen, die von einer überschaubaren Zahl von WissenschaftlerInnen entwickelt worden ist (im Wesentlichen den Autorinnen und Autoren des UNEP-Berichts). Ist die Frage nach einer Auffassung einer global lebenswerten Gesellschaft nicht vielmehr eine Frage, die weltweit in deliberativen Prozessen diskutiert werden sollte? Ist nicht auch eine gewisse Vielfalt von legitimen Auffassungen einer global lebenswerten Gesellschaft zu erwarten?
  • Eine Grüne Ökonomie ist sicherlich prima facie erstrebenswert. Wir wissen auch, dass sie möglich ist. Doch wir wissen genauso gut, dass ihre Realisierung möglicherweise nicht gelingen wird (z.B. falls der technische Fortschritt nicht mitspielt, die Reboundeffekte ausufern etc.). Wie sollte man vorsorgen, dass keine schlimmen Folgen für Mensch und Umwelt eintreten, falls die Realisierung der Grünen Ökonomie nicht gelingen sollte?
  • Eine nachhaltige Politik ist nicht realisierbar, ohne dass Ressourcenverbrauch deutlich teurer wird. Die Verteuerung der Ressourcen trifft die sozial Schwächsten am härtesten. Mit welchen Maßnahmen kann man verhindern, dass nachhaltige Politik nicht sozial ungerecht wird?
  • Voraussichtlich ist eine nachhaltige Gesellschaft nur durch einen umfassenden kulturellen Wandel realisierbar (Mobilitäts- und Ernährungsgewohnheiten müssten sich dabei verändern, auch Freizeitverhalten, Statussymbole etc.). Kultureller Wandel kann nicht durch Politik verordnet werden. Von alleine initiiert er sich bislang aber auch nicht so recht. Eine Sackgasse?

3 Kommentare

  1. Daniel Constein sagt am 24. Juni 2012

    Ich finde die letzte Frage etwas zu pessimistisch gestellt. Warum nicht das Tabu hinterfragen, dass kultureller Wandel nicht auch politisch gefördert werden kann? Beispielsweise durch Förderung von soziale Innovationen in den Nutzungsformen, durch angepasste Eigentumsformen wie Genossenschaftsmodellen, durch Förderung von Branchen, die dem Einzelnen helfen, nachhaltigen Lebensstilen zu folgen (Reparaturdienstleister, Wissensaustausch für resiliente Lebensweisen), etc.

    Ich würde deshalb vorschlagen, die Frage umzuformulieren:

    „Voraussichtlich ist eine nachhaltige Gesellschaft nur durch einen umfassenden kulturellen Wandel realisierbar (Mobilitäts- und Ernährungsgewohnheiten müssten sich dabei verändern, auch Freizeitverhalten, Statussymbole etc.). Welchen Beitrag kann Politik zur Förderung von sozialen Innovationen leisten, die diesen Wandel unterstützen? Wie entgeht sie dabei dem Vorwurf, autoritär in die Lebensstile der Menschen einzugreifen?“

  2. Hallo Eugen,

    ich finde die letzte Frage ist genau richtig formuliert, ist natürlich eine rein persönliche Sache, wie man es ausdrücken mag. Aber was soll man denn um den heißen Brei reden? Das haben wir lange genug gemacht. So wie sich es anhört, ist es doch auch. Ernst! Lass ruhig so stehen.

    Im Übrigen finde ich deine Fragen gut und mich interessierten natürlich die Antworten.

    Es bleibt spannend.

    LG Claudia

    1-2-3 Erneuerbare Energien machen frei!

  3. @Daniel und Claudia: Die letzte Frage wurde auf dem Treffen heute tatsächlich diskutiert. Allerdings bin ich gar nicht dazu gekommen, sie zu stellen (weder in der pessimistischen noch in der konstruktiveren Weise): Sie ist als erstes von Herrn Schuster an uns Blogger gerichtet worden: Wie gestaltet man den Wandel hin zu einer Kultur der Nachhaltigkeit hin? Welche Rolle können dabei Blogs spielen?

    Viele der anwesenden BloggerInnen sehen ihren Beitrag darin, Visionen nachhaltiger Lebensweisen, positive Beispiele aus der Praxis, Berichte aus eigener Erfahrung in ihren Posts zu präsentieren. Dabei berichteten einige über die Erfahrung, dass diese Beispiele weiter erzählt werden, dass sie NachahmerInnen finden, motivieren.
    Die zugrunde liegende Hoffnung: Steter Tropfen höhlt den Stein.

    Eine Kontroverse ergab sich über die Vorstellungen darüber, inwieweit kultureller Wandel gestaltbar ist: Oberbürgermeister Stuttgarts fragte, ob es nicht mehr Trendsetter geben müsste, die die richtigen, also nachhaltigen, Trends initiieren, welche dann vom Mainstream übernommen werden.
    Einige Blogger wiesen der Frage zugrunde liegende Vorstellung über die Gestaltung des kulturellenWandels zurück: Zum einen sei es unklar, ob Trends zielgerichtet gestaltet werden könnten. Zum anderen schien vielen Bloggern Trendsetting antiquiert zu sein: Es seien Maßnahmen von Unternehmen und ihren Werbestrategien, die im Internet nicht mehr funktionierten. Blogs leben von ihrer Authentizität: Blogger schreiben darüber, dass sie etwas gut oder schlecht finden, weil sie es wirklich gut oder schlecht finden. Sie verfolgen dabei nicht die Absicht, Trends zu setzen.

    Was ist mein Fazit zu der Debatte? Hmm, es sieht so zirkulär aus: Blogger wollen von Mitgliedern des Nachhaltigkeitsrates wissen, wie man den kulturellen Wandel gestaltet, ohne autoritär zu werden. Die Mitglieder des Nachhaltigkeitsrates fragen Blogger, wie man kulturellen Wandel hinkriegt. Viel weiter kamen wir nicht.

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