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Weltressourcenrat setzt auf Effizienzgewinne

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In seinem aktuellen Report geht der Weltressourcenrat davon aus, dass sich der globale Ressourcenverbrauch bis 2050 mehr als verdoppeln wird – wenn sich die gegenwärtigen Trends fortsetzen. Der Verbrauch von Metallen, Biomasse, Sand, etc. würde von 85 Mrd. Tonnen auf 186 Mrd. Tonnen ansteigen. Damit verbunden sind vielfältige negative Effekte auf Klima, Umweltmedien, Ökosysteme und Biodiversität (nexus).

Die Verdoppelung ergibt sich aus dem weiteren Anstieg der Weltbevölkerung um ca. 30% und der Annahme, dass der Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch um ca. 70% zunimmt.

Von diesem durchaus plausiblen Business-as-usual-Szenario ausgehend sucht der Report nach Möglichkeiten einer Verringerung des Ressourcenverbrauchs – trotz wachsender Weltbevölkerung und wachsendem Pro-Kopf-Einkommen (Entkopplung). Das Ergebnis ist eine Reduktion des Ressourcenverbrauchs um ca. 30% innerhalb von 30 Jahren, d.h. weniger als 1% Reduzierung p.a. Selbst das würde nur gelingen, wenn die vorhandenen technischen Optionen konsequent genutzt würden (Recycling, Reuse, etc.). Dies hätte einen (leicht) positiven Nebeneffekt auf die Wirtschaft, ein um 2 Billionen US-Dollar (1%) höheres Welt-BIP. In absoluten Beträgen wäre das eine Erhöhung des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens um ca. $200 p.a. bei Gleichverteilung. Der Report geht allerdings davon aus, dass in den G7-Staaten das BIP/Kopf um $600 steigen wird, in ärmeren Ländern dementsprechend weniger – die absoluten Unterschiede würden also weiter zunehmen.

Kann der Ressourcenverbrauch tatsächlich jährlich um 1% sinken? Wenn man weiterhin von einem Wachstum der Weltwirtschaft um ca. 3% p.a. ausgeht, würde das einen jährlichen Anstieg der Ressourcenproduktivität um 4% verlangen. Das haben Deutschland und die anderen G7-Staaten in den letzten zwanzig Jahren nicht geschafft. Die Effizienzsteigerungsraten lagen bei ca. 2% p.a. Wie sollte nun weltweit eine doppelt so hohe Steigerungsrate gelingen?

Wenn ein solcher Erfolg aber hochgradig unwahrscheinlich ist und ausbleibt, so wird – bei unvermindertem Wirtschaftswachstum – der Ressourcenverbrauch nicht sinken, sondern weiter ansteigen und zwar um ca. 1% jährlich. Es ist demnach eher mit einer Verschärfung der Probleme als mit einer Entspannung beim Ressourcenverbrauch zu rechnen.

Wie wäre das abzuwenden? Offensichtlich wären dafür weitaus radikalere Maßnahmen erforderlich als die im Report diskutierten (z.B. Ressourcensteuern, Abfallabgaben, Produktlebensdauer / Obsoleszenz, Konsummuster / Suffizienz). Vieles davon hätte Wachstums- und Verteilungseffekte, die der politischen Umsetzung im Wege stehen. Aber die Transformationsherausforderungen sollten klar formuliert werden, statt die Hoffnung zu wecken, (zweifellos vorhandene) Effizienzpotentiale würden quasi automatisch und konfliktfrei zur Lösung der globalen Ressourcenprobleme führen.

Rudi Kurz war bis 2017 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Pforzheim. Seine Forschungsschwerpunkte sind Ordnungspolitik, Innovationsforschung, Wirtschaftswachstum, Umweltökonomie und Nachhaltige Entwicklung. Ehrenamtlich engagiert er sich beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als Sprecher des Arbeitskreises Wirtschaft und Finanzen.

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