Standpunkte

Zum Trade-off zwischen Nachhaltigkeit und Rendite

Schreibe einen Kommentar

Unternehmen sind mit einem Zielkonflikt konfrontiert, im Englischen auch als Trade-off bezeichnet. Dieser entsteht dann, wenn Sachziele und finanzielle Ziele nicht mit einander vereinbar sind. Unternehmen stehen oft vor dem Dilemma: Soll in sozial und ökologisch nachhaltige Maßnahmen investiert werden oder dort, wo ein finanzieller Gewinn zu erwarten ist?

Motivation

Auf einem begrenzten Planeten kann die Wirtschaft nicht unbegrenzt wachsen. Auf dieser Einsicht beruht das Modell einer Postwachstumsökonomie, in der Suffizienz und ein möglichst geringer Rohstoff-, Energie- und Flächenverbrauch im Vordergrund stehen [1]. Was bedeutet das für die Unternehmen? Eine Postwachstumsökonomie verlangt von den Unternehmen, nachhaltig zu wirtschaften und die natürlichen Ressourcen zu schonen. Gewinnorientierte Unternehmen geraten dabei leicht in einen Zielkonflikt. Vor allem Kapitalgesellschaften (AG, GmbH) tun sich oft schwer, Nachhaltigkeit und Gewinnstreben miteinander zu vereinbaren.

Der Business Case for CSR

Etablierte Kreise in Politik und Wirtschaft behaupten gerne, Nachhaltigkeit und Rendite seien ohne Weiteres miteinander vereinbar und stützen sich dabei auf den sog. Business Case for Corporate Social Responsibility (CSR) [2]. Dieser verlangt von den Unternehmen, dass sie zum einen innovative CSR-Maßnahmen setzen und zum anderen Gewinne erwirtschaften. Auch CSR-Unternehmen sollen in der Lage sein, einen konventionellen Bankkredit zu bedienen und eine attraktive Rendite für InvestorInnen zu generieren. Gegen den Business Case spricht, dass CSR-Maßnahmen mit betrieblichen Mehrkosten verbunden sind, die den Gewinn des Unternehmens schmälern und den EigentümerInnen eine geringere Rendite bescheren [3].
Wenn nun ein Unternehmen eine nachhaltige Investitionen plant, die nur einen geringen Ertrag erbringt, dann tut es zwar etwas für das Gemeinwohl, ist aber aus klassischer Sicht unrentabel. InvestorInnen müssten in diesem Fall auf Rendite verzichten und der Staat müsste das Unternehmen mit Subventionen stützen, damit es nicht in Konkurs geht. Und weil dies keine Option für klassische ÖkonomInnen ist, erlauben diese nur den günstigen Fall: dass auch CSR-Unternehmen in der Lage sein müssen, Gewinne zu generieren und eine positive Rendite zu erwirtschaften.

Offene Fragen

Der Trade-off zwischen Nachhaltigkeit und Rendite wirft ganz neue Fragen auf:

  • Wie rentabel sind nachhaltige Investitionen?
  • Sind Unternehmen in der Lage, nachhaltige CSR-Maßnahmen zu setzen und gleichzeitig eine Rendite zu generieren, die Gläubiger und Eigentümer zufrieden stellt?
  • Wenn nicht, inwieweit ist der Staat gefordert, CSR-Maßnahmen zu fördern?
  • Wie groß ist das gesamtwirtschaftliche Potenzial an förderbaren CSR-Maßnahmen?
  • Wenn der Staat CSR-Maßnahmen fördert, wie kann man dann ausschließen, dass der Staat privatwirtschaftliche
    Gewinne subventioniert?

Das Thema erscheint also komplex und kann nicht mit den bekannten, finanzwirtschaftlichen Lehrsätzen abgehandelt werden.

Implikationen

Welche Implikationen bringt der Trade-off zwischen Nachhaltigkeit und Rendite mit sich? Um dieser Frage nachzugehen, soll zunächst ein günstiger und ein ungünstiger Fall betrachtet werden. Im günstigen Fall generiert ein Unternehmen eine positive Rendite, die hoch genug ist, um einen konventionellen Bankkredit zu bedienen. Im ungünstigen Fall ist die Rendite des Unternehmens gering oder schwankt um die Nulllinie. Aus klassischer Sicht ist ein solches Unternehmen unrentabel und wird sich schwer tun, Investoren zu finden, die sich am Unternehmen beteiligen, oder einen Kredit bei einer Bank zu bekommen.

Wenn die Konjunktur lahmt

Generell vom günstigen Fall und einer positiven Wertentwicklung auszugehen, erscheint angesichts der wiederkehrenden Krisen nicht mehr zeitgemäß. Wenn die Konjunktur lahmt, dann ist der Trade-off zwischen Nachhaltigkeit und Rendite besonders akut. Unternehmen investieren dann eher in Maßnahmen, die den Fortbestand sichern als in soziale und ökologische CSR-Maßnahmen. Um in einer solchen Situation eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung nicht zu gefährden, sollte der Staat günstige Rahmenbedingungen für nachhaltige Investitionen schaffen.

Staatliche Regulierung mit Steuern und Subventionen

Der Trade-off zwischen Nachhaltigkeit und Rendite lässt sich nicht so ohne Weiteres nach klassischem Muster auflösen. Marktwirtschaftliche Konzepte stoßen hier an ihre Grenzen. Gefragt ist eine neue Politik staatlicher Regulierung mit Steuern und Subventionen. Insbesondere bei schwacher Konjunktur sollte der Staat mit fiskalischen Maßnahmen gegensteuern und dafür sorgen, dass nachhaltige Unternehmen günstig Eigen- und Fremdkapital erhalten.

Ein Instrument, um den Unternehmen den Zugang zu Eigenkapital zu erleichtern, ist eine spezielle Vermögensteuer auf risikofreie Anlagen [4]. Denkbar wäre eine Steuer in Höhe von 3% auf Tages- und Festgelder, sichere Staatsanleihen und andere risikofreie und quasi-risikofreie Geldanlagen über einem Steuerfreibetrag von 100 000 €, um die KleinsparerInnen zu schonen. Wenn risikofreie Anlagen höher besteuert werden, dann sind InvestorInnen eher bereit, sich an Unternehmen zu beteiligen und den Unternehmen günstig Eigenkapital zur Verfügung zu stellen.

Ein weiteres Instrument, um nachhaltige Investitionen gezielt zu fördern, ist der zinsfreie oder zinsgünstige Förderkredit, der nach strengen, sozialen und ökologischen Standards vergeben wird [5]. Das kann ein konventioneller Bankkredit sein, bei dem der Staat einen Zuschuss gewährt, um die Zinskosten zu senken. Auf diese Weise können Unternehmen die Zinsbelastung reduzieren und erhalten jenen finanziellen Spielraum, den sie brauchen, um soziale und ökologische CSR-Maßnahmen durchzuführen [6].

 

[1] Perspektive 2030: Suffizienz in der Praxis. Wie Kommunal- und Bundespolitik eine nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Mobilität, Materialverbrauch, Energie, Landwirtschaft und Ernährung gestalten können. Ein Impulspapier des BUND, Berlin 2018.

[2] Schreck, P.: Der Business Case for Corporate Social Responsibility. In: Schneider und Schmidpeter, Corporate Social Responsibility. Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis, Berlin 2012.

[3] Thielemann, U.: Ethik als Erfolgsfaktor? The Case against the business case und die Idee verdienter Reputation. In: Scherer und Patzer (Hrsg.), Betriebswirtschaft und Unternehmensethik, Wiesbaden 2008.

[4] Fahrbach, C.: Low-Profit-Investitionen – bewerten, finanzieren, fördern, LIT Verlag Münster, Wien, 2014 (www.lit-verlag.de/isbn/3-643-50588-0).

[5] Irsch, N.: Mahnung zur Orientierung an Nachhaltigkeit. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 21, 11/2008, S. 1101.

[6] Fahrbach, C.: Low-Profit – Ökonomie mit Ökologie versöhnen, Momentum-Kongress, Hallstatt 2016 (http://momentum-kongress.org/cms/uploads/BEITRAG_Fahrbach_Low-Profit.pdf).

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someonePrint this page

von

Christian Fahrbach, MSc, ist freiberuflicher Autor, Blogger, Lektor und Trainer zum Thema Low-Profit und wohnt in Wien. Er ist im Netzwerk Wachstumswende aktiv und bietet Präsentationen und Workshops zur Rolle der Unternehmen in einer Post-Wachstums-Ökonomie an. Veröffentlichungen: Buch zum Thema Low-Profit-Investitionen, Wien, Münster 2014; Präsentationen auf der 1st Vienna Conference on Pluralism in Economics 2015, auf dem Momentum-Kongress 2016 in Hallstatt und auf der Grünen Sommerakademie 2017 in Tainach/Kärnten. Blog: www.low-profit.eu

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.