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Zukunftsgerecht leben: Würde statt Wachstumswahn

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Das Wachstumsparadigma, das die vorherrschende Art des Wirtschaftens besonders seit Mitte des 20. Jahrhunderts bestimmt, trägt nicht mehr. Klimawandel, Umverteilung  und ökonomische Krisen sind Zeichen für die Notwendigkeit eines Wandels, der sich dringend vollziehen muss. Unsere Art des Lebens und Wirtschaftens wird sich signifikant verändern müssen, wenn sie zukunftsgerecht die Würde von Natur und Mensch bewahren will.

Aber auch auf zivilgesellschaftliches und politisches Engagement kommt es an, wenn der notwendige Wandel gelingen soll. Im Buch "Zukunftsgerecht leben" finden sich die Texte von fünf Autoren vereint, die sich mit der Thematik zukunftsgerechten Lebens in einer Postwachstumsgesellschaft auf unterschiedliche Weise befassen. Es handelt sich um die Nachschriften von Vorträgen, die im ersten Halbjahr 2017 im Rahmen der Grünen Hauptstadt – Essen 2017"  gehalten wurden.

Zweifellos hat das bisherige Wirtschaftswachstum aber auch unübersehbare Vorteile gebracht, so der renommierte Klimaforscher, Hochschullehrer und Politiker Prof. Dr. Hermann Ott in seinem Beitrag über "Wirtschaft ohne Wachstum". Dazu gehört, dass die weltweite Armut reduziert wurde, und ein komfortabler, von vielen Zwängen befreiter Lebensstil entwickelt werden konnte – auch wenn das längst noch nicht für alle Menschen auf Erden gilt. Allerdings ist das wirtschaftliche Wachstum mittlerweile an seine Grenzen gelangt, es funktioniert so nicht mehr.

Das notwendige Umdenken in Bezug auf das Wachstumsparadigma der Wirtschaft wird von Peter Krause in zwei Beiträgen thematisiert, in denen die Entwicklungen der Technik kritisch, aber auch als Chancen betrachtet werden, was jedenfalls dann gilt, wenn sie für einen genügsamen, nachhaltigen Lebensstil genutzt werden. Dem folgen auch der Permakultur-Lehrer und Ökodorf-Aktivist Ronny Müller mit seinen Darstellungen zu nachhaltigen Wirtschaftskreisläufen und Julian Kühn, Gründer des Institute for Social Banking, mit seinen Betrachtungen zur „Zukunft der Wirtschaft und des Geldes".

Besonders interessant sind die Ausführungen, die Dr. Ulrich Kriese, Mitarbeiter der Stiftung Edith Maryon, zu „Alternativen zur Spekulation mit dem Eigentum an Grund und Boden" zum Buch beigesteuert hat. Darin wird die Bodenrente als leistungsloses Einkommen beschrieben und aufgezeigt, wie eine wirksame Steuerreform den Prozess der Umverteilung bremsen könnte.

In sechs Beiträgen werden in dem Buch von Experten die gegenwärtigen Chancen und Risiken dargestellt. Es wird verdeutlicht, was zur aktuellen Situation geführt hat, und was getan werden kann, damit der Wandel (noch) gelingt. Wissenschaftliche Erkenntnisse, politische Entwicklungen und der Blick auf das global zunehmende, zivilgesellschaftliche Engagement ergeben das Bild von einer Zeit des Auf- und Umbruchs, in der wir uns gegenwärtig befinden.

 

Krause, Peter (Hrsg.). 2017. Zukunftsgerecht leben. Würde statt Wachstumswahn. Berlin: epubli Verlag.

 

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Peter Krause ist freier Journalist und Buchautor mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Medizin. Von ihm sind neben zahlreichen Beiträgen in verschiedenen Zeitschriften und Magazinen über 30 Bücher erschienen, darunter auch das Lernbuch „Meine Welt, Wirtschaft und Geld“ (in zweiter Auflage), zu dem er einen Fernkurs konzipierte, den er nach wie vor erfolgreich anbietet.

1 Kommentare

  1. Thomas Bartsch-Hauschild sagt am 23. März 2018

    Die Würde des Menschen ist unantastbar, ein Grundrecht für ein gutes Leben aller Menschen
    In der Welt.Doch die Zerstörung
    der Lebensgrundlagen durch ein zügelloses Wachstum und unverschämtes
    ? Geldvermögen und Reichtum
    hunderte von Milliardären.Die soziale Marktwirtschaft gibt es in der Globalen Welt nicht mehr Steueroasen entziehen weitgehend jeder Verantwortung.
    Die Politik schaut einfach hilflos zu.Die Demokratie verliert immer
    mehr an Handlungsfähigkeit.
    Amerika First Europa second.

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