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Wirtschaftsdemokratie gegen den Strich gebürstet

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Matthias Kasper und Philip Eutener haben im Juli 2025 im Blog Postwachstum die wichtigsten Modelle einer Wirtschaftsdemokratie dargestellt, die die Unternehmensdemokratie mit Entscheidungsebenen auf der Meso- und der Makroebene kombiniert. Diese Modelle greife ich auf, will sie aber teilweise „gegen den Strich bürsten“: Sie konzentrieren sich meines Erachtens zu sehr auf Organisationsstrukturen und zu wenig darauf, wie die Betroffenen in die Entscheidungen dieser Regulierungsebenen einbezogen werden können. Sie überschätzen das Gemeinschaftsbedürfnis, das sich nach Überwindung kapitalistischer Macht entfalten soll, und unterschätzen weiterhin bestehende Konflikte. Die bisherigen gemischten Erfahrungen mit wirtschaftsdemokratischen Elementen, die auf diese Probleme hinweisen, werden zu wenig einbezogen.

Eine Ausweitung von Wirtschaftsdemokratie bleibt aber zentral, um das verbreitete Gefühl von Ohnmacht und Verunsicherung abzubauen, das durch die multiplen Krisen eines immer dysfunktionaler werdenden Kapitalismus entstanden ist. Eine weitere Verunsicherung muss aufgegriffen werden: Zwischen den Milieus – also vertikal – haben sich in den letzten Jahrzehnten die Vorstellungen über ein gutes Leben auseinanderentwickelt. Das angestrebte traditionelle Wohlstandsmodell vieler abhängig Beschäftigter – Auto, Eigenheim, Urlaub auf Mallorca, Ehefrau kümmert sich um Haushalt und Kinder – wurde durch ökologische und feministische Bewegungen auch kulturell delegitimiert. Auch das verunsichert vor allem Angehörige traditioneller Schichten und führt zu Konflikten quer zu den „Oben-Unten“-Auseinandersetzungen (Mau u.a., 2023). Wenn in einer Wirtschaftsdemokratie gemeinsam über ein gutes Leben entschieden werden soll, dann müssen nicht nur ökonomische Prozesse entsprechend gestaltet werden, sondern auch die unterschiedlichen Vorstellungen über ein gutes Leben diskutierbar werden.

Wer definiert das gesellschaftliche Interesse?

Gemeinwohl oder gesellschaftliche Interesse sind Schlüsselbegriffe der Wirtschaftsdemokratie. Aber sie existieren nicht a priori. Menschen haben in ihren unterschiedlichen Funktionen – als Beschäftigte, als Konsument*innen, je nach familiärer Situation und Lebensphase – unterschiedliche Interessen, verfolgen unterschiedliche Lebensentwürfe, haben Zielkonflikte. Menschen suchen als soziale Wesen die Gemeinschaft, aber auch soziale Anerkennung und einen entsprechenden Status für ihre besonderen Werte und Leistungen in der Gesellschaft. Gewerkschaftliche Tarifauseinandersetzungen z. B. sind vorrangig vom Konflikt zwischen Kapital und Arbeit geprägt, aber auch von der Verteilung des Erkämpften zwischen den Beschäftigtengruppen. Die Arbeiterbewegung konstituierte sich im 19. Jahrhundert nicht nur im Kampf gegen das Kapital, sondern auch in Kämpfen um den eigenen Status gegenüber anderen Beschäftigtengruppen, gegen „Außenseiter“ wie Migranten, Frauen usw. (Silver 2002). Universelle Ansprüche an Menschenwürde bildeten sich erst durch konfliktreiche Lernprozesse heraus, die immer wieder durchlaufen werden müssen. Wirtschaftsdemokratie muss solche konfliktbeladenen und komplizierten Diskussionsprozesse ermöglichen. Das kann nicht an eine „Verbändedemokratie“ delegiert werden.

Wirtschaftsdemokratie auf der Unternehmensebene

Wirtschaftsdemokratie beginnt in den Betrieben mit einer Beteiligung der Beschäftigten an allen relevanten Unternehmensentscheidungen. Beschäftigte können dann nicht nur ihr Arbeitsleben verbessern, sondern auch ihren Anspruch auf gesellschaftlich nützliche Arbeit verwirklichen – eine wesentliche Grundlage für eine Verbindung zwischen Beschäftigten- und gesellschaftlichen Interessen. Diese enge Verbindung zu Betrieb und Arbeitsprodukt fördert aber auch eine spezifische Sichtweise, die in Konflikt mit gesellschaftlichen Ansprüchen, mit unterschiedlichen Wohlstandsvorstellungen geraten kann. Die Beschäftigten in mitbestimmten Automobil-Unternehmen z. B. standen und stehen nicht an der Spitze der Ökologiebewegung für ein Verbrenner-Aus und für eine Reduzierung des Autoverkehrs, auch wenn sie dabei nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen. Sie sind häufig stolz auf ihr Produkt. Die unterschiedlichen Vorstellungen über ein gutes Leben in Bezug auf Auto, Nahrungsmittel, Verkehr usw. kann dann zu Konflikten zwischen den dort Beschäftigten und Denjenigen führen, die für weniger bzw. ökologischem Konsum stehen.

Alle aktuellen wirtschaftsdemokratischen Modelle gehen davon aus, dass auch Unternehmen „in Beschäftigtenhand“ sich weiterhin am Markt (der natürlich reguliert ist) behaupten müssen und dafür über Investitionen, Preise usw. entscheiden können. Markterfolg hat also eine Bedeutung. Das erhöht die Gefahr des „Betriebsegoismus“ und die Spannungen zwischen betrieblichen und gesellschaftlichen Interessen. Auch wirtschaftsdemokratische Unternehmen könnten versuchen, Produktionskosten z. B. zu Lasten der Umwelt zu externalisieren und Marktmacht auf Kosten anderer auszunutzen. Die kurze Phase der jugoslawischen Arbeiterselbstverwaltung belegt dies (Sik,O. S.379).

Eine Eingrenzung/Regulierung betrieblicher Entscheidungsmacht ist also unabdingbar – ob durch Gesetzgebung oder durch Vorgaben übergeordneter Gremien. Aber demokratische Regulierung erfordert, dass Belegschaften in die Erarbeitung solcher Regeln einbezogen werden. Sie müssen sich damit auseinandersetzen, was sie mit ihrer Produktion und ihrem Bestreben nach guten Erträgen positiv wie auch negativ anrichten: in Bezug auf Umwelt, auf die Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette, auf Marktmacht usw. Sie müssen daran beteiligt werden, wenn aus ökologischen Gründen die Produktion umgebaut werden muss. Umgekehrt müssen sich Umweltgruppen bei einer notwendigen ökologischen Transformation auf die betriebsspezifische Sichtweise einlassen und nicht – wie in der Auseinandersetzung um den Braunkohleabbau geschehen – die dort Beschäftigten als „Dreckschleudern“ desavouieren. Beispiele gibt es bereits jetzt: in einigen Unternehmen des Textil-Einzelhandels stellten Betriebsräte auf Betriebsversammlungen dar, unter welchen Arbeitsbedingungen die Kleider hergestellt werden, die die Beschäftigten verkaufen. Damit warben sie auch gegenüber ihrem Unternehmen für die Einhaltung des deutschen Lieferkettengesetzes. Für die Metall- und Elektroindustrie konnte die IG Metall einen Zukunfts-Tarifvertrag durchsetzen, durch den Betriebsräte, aber auch Beschäftigte an der ökologischen Transformation stärker beteiligt werden. In betrieblichen Zukunftswerkstätten soll das Fachwissen der Beschäftigten genutzt werden, um sie bei dem Produktionsumbau einzubeziehen (Wiethold, 2025).

Ein zweites Spannungsfeld: Wenn Belegschaften am Markterfolg interessiert sind, sind sie auch an hoher Arbeitsproduktivität interessiert. Das kann nicht nur zu Spannungen im Umgang mit weniger „leistungsfähigen“ Beschäftigten führen, sondern auch im Umgang mit der „work-life-balance“. Das traditionelle Normalarbeitsverhältnis beruht u.a. darauf, dass Beruf und Privatleben getrennt sind und die „normal“ Arbeitenden den Arbeitsanforderungen des Betriebes (Arbeitszeit nach Arbeitsanfall) genügen können, weil die private Care-Arbeit meist von Frauen außerhalb des Betriebes geleistet wird. Durch die gestiegene Frauenerwerbstätigkeit funktioniert diese Trennung nicht mehr. Aber auch die jetzigen Strukturen funktionieren mehr schlecht als recht, weil die Unternehmen nicht bereit sind, darauf Rücksicht zu nehmen. Betriebliche Wirtschaftsdemokratie muss also die Beschäftigten auch mit ihren privaten Bedürfnissen sehen und neben guten Arbeitsbedingungen und hoher Arbeitsproduktivität auch eine hohe Lebenszufriedenheit mit all ihren Unterschieden anstreben. Das Verständnis von Wirtschaftsdemokratie, das bisher eher auf den ökonomischen Bereich begrenzt war, muss also das gesamte Leben von Beschäftigten in den Blick nehmen.

Manche Konzepte zur Wirtschaftsdemokratie wollen eine Fixierung auf Markterfolg und Konkurrenz dadurch abbauen, dass man de-globalisiert und auf Commons setzt, die gemeinschaftlich für einen bekannten Markt oder für den Eigenbedarf arbeiten (Schmelzer M., Vetter, A., 2019). Bei der Herstellung hochkomplexer und hochspezialisierter Produkte und Dienstleistungen würde das aber mit erheblichen Produktivitätsverlusten erkauft. Commons oder Genossenschaften sind außerdem von der Natur der Sache her eher geschlossene, homogene Gemeinschaften (z.B. Wohnungsgenossenschaften). Dieser Gemeinschaftsgedanke entspricht dem Bedürfnis vieler Menschen. Aber er verträgt sich nicht gut mit dem Konzept einer Wirtschaftsdemokratie, die sich bewusst auch Auseinandersetzungen über unterschiedliche Lebensentwürfe stellen will. Die Allmende-Wirtschaft – ein Zusammenschluss von Fischern, Bauern usw., die Land, Fischgründe usw. gemeinsam betrieben – war wirtschaftlich sehr erfolgreich. Das war aber erkauft mit hoher sozialer Kontrolle nach innen und Abschottung nach außen (Ostrom 2021, S. 122 ff). Der Gemeinschafts- und Solidaritätsgedanke verträgt sich auch nicht immer gut mit Kontrolle und Transparenz im eigenen Unternehmen. Daran sind manche Konsumgenossenschaften und gemeinnützige Unternehmen gescheitert, die „mit den Großen“ mitspielen wollten (wer erinnert sich noch an den Zusammenbruch von Coop und Neue Heimat in den 80er Jahren?).

Zivilgesellschaftliche Regulierung auf der Meso- und Makroebene

Alle Modelle zur Wirtschaftsdemokratie fordern für die Regulierung auf der Meso- und Makroebene Gremien, die aus unterschiedlichen Interessengruppen und zivilgesellschaftlichen Gruppen zusammengesetzt sind und Regional- und Branchenpolitik, Makroökonomie steuern sollen. Solche Gremien auf der Meso-Ebene gibt es bereits – ob Rundfunkräte, die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung, die vielen Kommissionen, die Regierungen beraten. Die Erfahrungen sollten einbezogen werden. Damit kann die Bürgerbeteiligung über Parteien und Parlamente hinaus erweitert werden. Aber wen repräsentieren sie? Sowohl den traditionellen Verbänden als auch die NGOs haben einen erheblichen Mittelschichts-Gap. Wo sind diejenigen repräsentiert, die nicht das kulturelle und soziale Kapital für Verbandsarbeit haben? Wie kann man die Gefahr des „Korporatismus“ verhindern, also die Abschottung gegenüber der Öffentlichkeit (Streeck, W., 1999)? Wie kann man sicherstellen, dass dort auch neue Themen/Gruppierungen vertreten sind, die noch nicht Verbandsstrukturen wie die „Alten“ aufbauen konnten? Bei der Krisenbewältigung der letzten Jahrzehnte zeigte sich die Dominanz von traditionellen Strukturen: staatliche Hilfen konzentrierten sich (auch mit Unterstützung der Verbände) auf diejenigen Branchen, die traditionell als „systemrelevant“ galten – auf die Branchen der Export-Industrie. Care-Bereiche, Frauenbranchen kamen und kommen häufig zu kurz. Ein Eigenleben von Verbändestrukturen, die sich häufig gegen kritische Interventionen und neue Anforderungen abschotten, ist keine Spezialität kapitalistischer Gesellschaften.

Wie beteiligt man Bürger*innen, auch um diese Abschottung zu vermeiden? Ota Sik hat in seinem Buch „Humane Wirtschaftsdemokratie“ von 1979 vorgeschlagen, dass Planungskommissionen „mehrere Planalternativen der politischen Volksdiskussion“ vorlegen müssen, um „wirtschaftspolitische Diskussionen in der Bevölkerung zu entfachen“ (Sik, S. 466). Das erfordert von Parteien eine auch selbstkritische Reflexion gegenüber ihren Vorschlägen. Es erfordert vor allem auch eine Qualifizierung der Bürger*innen in Wirtschaftsfragen – eine wesentliche Voraussetzung jeder Wirtschaftsdemokratie.

Gesellschaftliche Steuerung und individuelle Spielräume    

Eine makroökonomische Steuerung ist unabdingbar. Sie ist auch kapitalistischen Staaten nicht fremd, wie die vielen EU-Vorgaben zeigen. Trotzdem sollten wir uns bei deren Ausweitung vor Omnipotenz-Ansprüchen hüten und selbst beschränken, um unerwünschte Nebenfolgen bei Eingriffen in hochkomplexe Systeme zu minimieren. Suchprozesse und Korrekturen müssen einkalkuliert werden. Das erfordert ein selbstkritisches Verhältnis auch zu eigenen Gestaltungsmacht. Ota Sik forderte, dass Parteien mit ihren wirtschaftspolitischen Vorschlägen zugleich deren Risiken und Unsicherheiten benennen und auch Alternativen vorlegen müssen – ein probates Mittel gegen Allmachtsansprüche. Es befähigt gleichzeitig Wähler*innen, sich mit den Programmen kritisch auseinanderzusetzen (Sik, S. 466). Er schlägt auch vor, Zielkonflikte zu benennen: z.B. der Zielkonflikt zwischen schneller Wohlfahrtssteigerung und ökologisch nachhaltigem Wachstum. Denn dieser Zielkonflikt existiert auch außerhalb kapitalistischer Ökonomie.

Makroökonomische Steuerung will ein bestimmtes Wohlstandsmodell verwirklichen, das ökologische Nachhaltigkeit, Geschlechtergerechtigkeit, gerechte Teilhabe verwirklichen will. Auch hier existieren Zielkonflikte und unterschiedliche Vorstellungen. Sie müssen diskutierbar werden, ohne dass eine Seite den Avantgarde-Anspruch auf die Definition des „richtigen“ Lebens erhebt. Es muss auch diskutiert werden, in welchem Ausmaß individuelle Spielräume, unterschiedliche Lebensentwürfe akzeptiert werden und kollektive Vorgaben sich selbst beschränken müssen. Viele Gemeinschaftsprojekte– ob Kibbuzim, Wohnprojekte, Genossenschaften – wollten auch einen gemeinschaftlichen Lebensstil verwirklichen, z.B. statt eigener Küchen die Gemeinschaftsküche. Nach einer heroischen Aufbruchsphase gerieten sie häufig in Konflikt mit dem Eigensinn vieler Bewohner*innen und ihren unterschiedlichen Lebensvorstellungen. Viele dieser Ideen sind heute nicht mehr vorstellbar. Aber existieren nicht unterschiedliche und konfliktgeladene Vorstellungen, wie ein adäquater Lebensstil angesichts der ökologischen Krise auszusehen hat? Auch in einer Wirtschaftsdemokratie muss sich kollektive Gestaltungsmacht begrenzen. Sie muss individuelle Vielfalt akzeptieren und ermöglichen.

Um zum Schluss die Idee einer „solidarischen Marktwirtschaft“ aufzugreifen: Eine demokratisch gestaltete Marktwirtschaft, bei der der Erfolg eines Unternehmens auch vom Markterfolg – also auch von der Konkurrenz zwischen Unternehmen – abhängt, ist nicht solidarisch. Denn Solidarität beruht auf wechselseitiger Hilfe. Sie bildet sich zunächst unter Gleichen, Vertrauten aus. Das ist die Grundlage des Kommunitarismus, der aber zugleich „Fremde“ ausschließen will. Solidarität kann und muss sich erweitern auf „Fremde“, wenn sie demokratisch sein will. Aus der von Anderen gewährten Hilfe kann dann ein individueller Rechtsanspruch gegenüber der Solidargemeinschaft werden. Eine solidarische Marktwirtschaft ist ein Oxymoron. Richtiger wäre es, eine Gesellschaftsordnung zu fordern, in der marktwirtschaftliche Prinzipien ergänzt, korrigiert, ausgeglichen werden durch gesellschaftliche Prinzipien der Solidarität. Das setzt voraus, dass auch in einer wirtschaftsdemokratisch verfassten Gesellschaft Ambivalenzen, Interessenkonflikte wahrgenommen und ausgetragen werden können.

 

Literaturverzeichnis: 

Mau Steffen, Lux Thomas, Westheuer Linus 2023: Triggerpunkte – Konflikt und Konsens in der Gegenwartsgesellschaft, Berlin.

Ostrom, Elinor 2012: Die Verfassung der Allmende, Tübingen.

Schmelzer Matthias, Vetter Andrea 2019: Degrowth/Postwachstum zur Einführung Hamburg.

Silver Beverly 2005: Forces of Labor -Arbeiterbewegung und Globalisierung seit 1870 Hamburg.

Sik,Ota 1979: Humane Wirtschaftsdemokratie – Ein Dritter Weg, Hamburg.

Streeck Wolfgang 1999: Korporatismus in Deutschland, Frankfurt a.M..

Wiethold Franziska 2025: Sozialökologische Transformation – ein Einstiegsprojekt in Wirtschaftsdemokratie? In: Jahrbuch 36 Ökonomie und Gesellschaft: Konversion: Eine Strategie in der sozialökologischen Transformation, Marburg.

1 Kommentare

  1. Mathias Effenberger sagt am 10. Dezember 2025

    Was für ein wichtiger Beitrag, Frau Wiethold! So schön es ist, in Theorie und Utopie der Wirtschaftsdemokratie und der vielen Aspekte von Postwachstumsökonomie zu schwelgen, so wichtig sind solche Zwischenrufe, welche die Euphorie bremsen und auf die unvermeidbaren Schwierigkeiten und vorhersehbaren Mühen bei der Umsetzung hinweisen! Beim Lesen des Beitrags konnte ich regelrecht spüren, wie mir manches gegen den Strich geht, und musse doch zugestehen, dass die Einschätzungen realistisch erscheinen.
    Zwei konkrete Kommentare:
    1.) Es wird deutlich, dass Demokratie in der Wirtschaft, wie in allen anderen gesellschaftlichen Feldern auch, stets ein Prozess ist und bleiben muss. Ich stelle mir vor, dass im Prozess des komplementären Fortschreitens von Degrowth und Demokratisierung in der Wirtschaft sich die Vorstellungen und Möglichkeiten zur Verwirklichung eines guten Lebens angleichen: nicht im Sinne einer Vereinheitlichung, sondern als Folge des Abbaus des unter dem kaptitalistischen Regime irrational großen Gefälles von Einkommen und Einflussmöglichkeiten. Vorherzusehen und zu berücksichtigen, dass hierbei auch starke Spannungen auftreten werden, ist wichtig, damit dieser Prozess nicht gefährdet wird.
    2.) Niemand hat das Recht, von der Konfrontation mit der Tatsache verschont zu bleiben, dass ihre/seine Vorstellung vom „guten Leben“ hinsichtlich der dafür notwendigen Inanspruchnahme von Ressourcen zukünftig nicht mehr akzeptabel ist – wissenschaftlich belegt, nicht moralisch begründet! Vielleicht entstehen durch die „Wirtschaftsdemokratisierung“ ganz viele neue, bisher nicht ausreichend vorhandene gesellschaftliche Räume, in denen dieser unangenehme und konfliktträchtige, jedoch unvermeidliche Erkenntnisprozess durchlaufen werden kann?: die Belegschaften demokratisch geführter Betriebe als eine Mischung aus Zweck- und Überzeugungsgemeinschaften.

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