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Postwachstumsplanung in Corona-Zeiten weiterdenken

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Das Diskussionspapier „Post-growth planning for post-corona times: Reinventing a growth-independent planning in times of crisis“ (englisch, Download unter www.postgrowthplanning.com) legt dar, was die Arbeit an einer Postwachstumsplanung für die Zukunft nach Corona bedeuten könnte. Wir verstehen bisher nur in Ansätzen das Virus selbst und seine gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Viele zukünftige Fragen sind abhängig von der Antwort auf diese Fragen. Die weltweite Entwicklung macht sprachlos und fordert auch nach einem Moment des Innehaltens. In der Stadt- und Raumplanung sollten wir trotzdem weiterhin kritisch denken und räumliche und soziale Ungerechtigkeiten in den Fokus nehmen – sowohl bereits sichtbare wie mögliche neu entstehende. Die Krise ist dafür aus keiner Perspektive eine wünschenswerte Chance. Aber sie fordert heraus, Diskussionen fortzuführen und niemanden zurückzulassen.

Im aktuellen Heft der politischen ökologie (Titel „Möglichkeitsräume: Raumplanung im Zeichen des Postwachstums“) beschäftigen sich die Autor/innen mit Postwachstumsplanung. Christian Lamker wirbt mit dem Titel „Mut zur Unsicherheit“ für neue Rollenverständnisse in wachstumsunabhängiger Planung. Viola Schulze Dieckhoff grenzt transformative Aktion als Kraft einer motivierenden Planung ab. Beide Beiträge sind vor der Corona-Krise entstanden, rufen aber gerade jetzt zu Zuversicht mit gemeinschaftlicher Aktion und Planung auf. Das Heft wurde mitherausgegeben von der Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (ARL) und ist seit Anfang April verfügbar.

Mit Blick auf die aktuellen Veränderungen unseres Lebens: Wie entwickelt sich unser Verständnis von räumlicher Nähe und Distanz durch die Erfahrungen des ‚social distancing‘? In einer Welt, in der die Bewegung von Menschen plötzlich stoppt, zeigen sich spontane Potenziale digitaler Technologien und eine rasante Veränderung (und oft Vereinfachung) von Prozessen. Zugleich treten deutlich und auch neue Muster von Exklusion und räumlicher wie sozialer Ungerechtigkeit hervor. Wie verändern sich unsere Vorstellungen von öffentlichen Orten, Interaktion und Dichte? Trotz unsicherer Zukunft setzt das Diskussionspapier darauf, die demokratische Diskussion fortzuführen und die räumliche Zukunft einer offenen Gesellschaft, die Solidarität, Verbindung und Empathie hervorhebt, aktiv zu gestalten.

Christian Lamker und Viola Schulze Dieckhoff laden mit ihrer Arbeit alle zur offenen Diskussion ein: www.postwachstumsplanung.de.

 

Beitragsbild: © Christian Lamker

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Viola Schulze Dieckhoff ist Raumplanerin und arbeitet aktuell am Fachgebiet Raumordnung und Planungstheorie der TU Dortmund. Auf beruflichen Stationen in Berlin und Erfurt, Forschungsreisen nach Italien, Schweden und Australien sowie durch das Mitbegründen der Freiraumgalerie in Halle/Saale sammelte sie Fragen und Eindrücke, die sich insbesondere mit raumbezogenen Allmendegütern und dem Potenzial und Grenzen von Selbstorganisation für eine nachhaltige Stadtentwicklung auseinandersetzen. // Dr. Christian Lamker ist Raumplaner und seit 2010 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund tätig. In Dortmund, Auckland und Melbourne hat er studiert und gearbeitet. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Planungstheorie, Planungsprozesse und -verfahren, Raumordnung und der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis. Er ist aktiv in der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) als Mitglied des Lenkungskreises, Sprecher der Regionalgruppe NRW und Mitglied der NRW-Arbeitsgruppe Postwachstumsgesellschaft.

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