Verpackungen sind ein Symbolgut – ein Symbol für Wohlstand? Ein Symbol für Ressourcenverschwendung? Ein Ärgernis? Ein Symbol für eine Transformation? Verpackungen sind für alle ein sichtbares Zeichen, das uns im täglichen Umgang an allen Konsum- und Nutzungsorten immer wieder begegnet. Es lohnt sich ein Blick auf die Statistik (vgl. Abb. 1): Das Verpackungsaufkommen in Deutschland ist mit dem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts kontinuierlich gestiegen, eine leichte Trendwende hat sich 2022 ergeben.

Abb. 1: Relative Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts und des Verpackungsaufkommens 1991-2023 [2020 = 100] (Quelle: Eigene Zusammenstellung aus UBA [2026] und Statistisches Bundesamt [2026])
- Außer-Haus-Konsum („To Go“): Es fallen rund 4,5 Mrd. Essensboxen und rund 5,8 Mrd. Einweggetränkebecher pro Jahr an (DUH 2025). Vielfach werden benutzte Verpackungen wild entsorgt und belasten Kommunen: Eine Hochrechnung (VKU 2020) schätzte den Anteil der Verpackungen am Müll im öffentlichen Raum auf 35 Vol% und berechnete, dass damit pro Einwohner*in und Jahr rund 11,40€ an Reinigungskosten bei den Stadtreinigungen anfallen würden.
- Getränke: In diesem Bereich sind die Mengen in den letzten Jahren in etwa konstant geblieben, allerdings hat sich der Mehrweganteil von knapp 64 % im Jahr 2003 auf nur noch 34,5 % im Jahr 2024 stark verringert (Cayé et al 2026), es hat also eine Substitution von Mehrweg durch Einweg stattgefunden.
Diese Aufzählung verschiedener Verpackungen ließe sich noch weiter fortführen. Wichtig ist, dass – mit dem Wirtschaftswachstum – sich mehrere Trends überlagern bzw. auch verstärken, wie etwa Substitutionseffekte von „unbequemen“ Mehrweg- durch Einwegverpackungen, Wunsch nach „Convenience“, veränderte Konsum- und Nutzungsgewohnheiten, demographische Veränderungen (z.B. kleinere Haushaltsgrößen, Singlehaushalte), erhöhte Hygiene- und Haltbarkeitsanforderungen, Veränderungen in der Handelsstruktur (v.a. Ketten statt Einzelhandel, Selbstbedienung statt Bedientheken) – diese alle trugen zu einem wachsenden Verpackungsaufkommen und damit einem steigenden Ressourcenkonsum bei.
Um auf diese Entwicklungen einzuwirken, wurden eine Reihe von Maßnahmen ergriffen oder sind jüngst – mit der Europäischen „Packaging and Packaging Waste Regulation“ (PPWR) – in Kraft getreten. Eine kommunale Verpackungssteuer, die in einigen Städten (wie etwa Tübingen, Konstanz oder Freiburg) eingeführt wurde (vgl. den Beitrag im Postwachstumsblog vom 24. März 2026), bezieht sich auf den Außer-Haus Konsum und möchte durch die Besteuerung das Littering bekämpfen und im kommunalen Rahmen eine Substitution von Einweg- durch Mehrwegverpackungen erreichen. Dies ist beispielsweise in Tübingen recht gut gelungen.
Es gibt allerdings sowohl eine rechtliche als auch eine fachliche Kritik an einer kommunalen Verpackungssteuer. Danach würde – eine bundesweite Übertragung des Tübinger Modells angenommen – nur 0,7% des gesamten Verpackungsverbrauchs erfasst, von diesen 0,7% würden sich auch nur rund 6% einsparen lassen (vgl. GVM 2026). Diese Kritik richtet sich jedoch ausschließlich auf die Maßnahme einer kommunalen Verpackungssteuer (im Außer-Haus-Bereich) und dem hypothetischen Szenario einer bundesweiten Einführung. Sie geht jedoch nicht auf andere Maßnahmen ein, die eine Verpackungswende voranbringen könnten. Eine Verpackungswende bedeutet eine Trendwende im Verpackungswesen, also eine Entkoppelung zwischen der Wirtschaftsentwicklung und dem Verpackungsaufkommen – im Sinne einer absoluten Reduktion des Einsatzes von Verpackungsmaterialien. Damit verbunden sind ökologische Effekte, die auch einen Beitrag zur Einhaltung der planetaren Grenzen leisten können, denn der Ressourcenverbrauch trägt zum Überschreiten der planetaren Grenzen bei.
Eine Verpackungswende wird jedoch nicht vorrangig durch eine Stärkung der Recyclingwirtschaft und dem Recycling von Materialien vorangetrieben. Im Sinne eines durchgreifenden Wandels sind strukturell nachhaltig wirkende Strategien voranzutreiben, die oft als 10-R-Strategien zusammengefasst werden (vgl. Potting et al. 2017). Es gilt dabei möglichst frühzeitig bei Wertschöpfungsketten in die Verpackungsthematik einzugreifen und die Prioritäten zu verschieben, das heißt von weiten Effizienzschleifen zu engen Kreislaufschleifen:
- Enge Kreislaufschleifen („Short loop“) haben das größte Potenzial, Produktion und Konsum zu reduzieren, sie setzen möglichst unmittelbar an Produktion, Distribution und Konsumtion an. Dazu gehören R-Strategien wie „Reduce“, „Refuse“ und „Rethink“. „Repair“ und „Reuse“ sind hier ebenfalls relevant und unterstützen die genannten Strategien.
- Ambitioniertere Schleifen verlängern die Lebensdauer von Produkten und Produktbestandteilen ohne an der „Quelle“ anzusetzen. Dazu gehören R-Strategien wie „Repurpose“, „Remanufacture“ und „Refurbish“, die dazu beitragen können, den Ressourcenverbrauch zu verlangsamen.
- Lange Schleifen („Long-loop“) zur Rückgewinnung von Materialien durch technologische Innovationen (z.B. in Bezug auf Rückgewinnung und Recycling), die kurzfristig notwendig sind, aber allein nicht hinreichend sind, damit Produktion und Konsum innerhalb der planetaren Grenzen bleiben.
Um dies gestalterisch umzusetzen sind verschiedene Akteure gefordert. An erster Stelle steht aus meiner Sicht das Setzen der richtigen Rahmenbedingungen, das ist eine Aufgabe der Politik. Hier sind verschiedene Ansatzpunkte im Themenfeld Verpackungen in der Diskussion (vgl. z.B. Klinge et al. 2025) – jenseits der Implementation der PPWR, wie etwa eine nach Materialien differenzierte bundesweite Verpackungssteuer, differenzierte Mehrwertsteuersätze, nachfrageseitige Standards (etwa im öffentlichen Beschaffungswesen), monetäre Verbrauchsanreize oder Mehrwegquoten (verbunden mit Ausgleichsabgaben). Diese Instrumente sind mit einer Postwachstumsperspektive kompatibel.
Es wird jedoch nicht hinreichend sein, hier nur auf die Transformation der Rahmenbedingungen zu setzen. Unternehmen entlang von Wertschöpfungsketten haben bereits jetzt Handlungsspielräume, die sie nutzen könnten, wenn sie wollten, etwa im Bereich des Produkt- und Verpackungsdesigns, in der Sortimentsgestaltung im Handel oder im Bereich der Gestaltung von Logistikketten. Konsument*innen treffen auch ihre Wahl im Rahmen der ihnen zur Verfügung stehenden strukturellen und finanziellen Möglichkeiten, sie sind jedoch nicht die zentralen Akteure, sondern die, die strukturell am schwächsten aufgestellt sind und nur innerhalb eines begrenzten Handlungskorridors agieren können.
Was bedeutet dies nun für eine Postwachstumsstrategie? Die erwähnten Ansatzpunkte und Maßnahmen sind immer im Kontext der Wirtschaftsentwicklung und der Wirtschaftsstruktur zu betrachten. Solange die politischen (und wissenschaftlichen) Strategien auf eine weitere Ankurbelung des Wirtschaftens ausgerichtet sind und solange kein transformatorischer Strukturwandel des herrschenden Paradigmas erfolgt, solange ist damit zu rechnen, dass Verpackungen ein zentrales Element in der Distributionskette bleiben werden, die – wie erwähnt – linear und auf stoffliches Recycling ausgerichtet ist. Daraus folgt eine mehrgleisige Transformationschallenge: Landwirtschaft und Ernährungssystem sind wieder stärker in regionale Kreisläufe einzubetten („Relokalisation“), die Logistik- und Distributionsketten sind auf eine Orientierung einer Rücknahme und Rückführung – auch mit Blick auf kurze Ketten und Wege – auszurichten. Gemeinsam mit einem Übergang zu kreislaufausgerichteten R-Strategien wie „Reuse“, „Rethink“ und eine Stärkung des „Refuse“-Ansatzes werden sich nachhaltige Effekte im Sinne eines Beitrags zu einer Ressourcenwende erreichen lassen. Eine bundesweite einheitliche Verpackungssteuer kann nur eine von einer Vielzahl von Maßnahmen sein, die diesen Übergang voranbringen können.
Literatur:
Cayé, N. et al. (2026): Bundesweite Erhebung von Daten zum Verbrauch von Getränken in Mehrweggetränkeverpackungen. Dessau: UBA-Texte 116/2026. Online unter: https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11850/publikationen/116_2025_texte.pdf (Zugriff am 17.8.2026).
DUH (2025): Verbrauchssteuer auf Einweg-Verpackungen. Effektiver Weg zu weniger Verpackungsmüll in Kommunen. Online unter: https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Kreislaufwirtschaft/Verpackungen/251217_Hintergrundpapier_Verpackungssteuer_FINAL.pdf (Zugriff am 17.8.2026).
GVM (2026): Ökonomische und ökologische Bewertung der Auswirkungen kommunaler Verpackungssteuern. Pressegespräch zur Studie. Online unter: https://einzelhandel.de/images/Umwelt/2026_08_06_Pressegespr%C3%A4ch_kommunale_Verpackungssteuer_GVM_ifeu.pdf (Zugriff am 14.8.2026).
Klinge, J. et al. (2025): Untersuchung ökonomischer Instrumente zur Verringerung des Verpackungsverbrauches sowie zur Stärkung des Kunststoffrecyclings und des Rezyklateinsatzes. Dessau: UBA-Texte 87/2025. Online unter: https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/11850/publikationen/87_2025_texte.pdf (Zugriff am 17.8.2026).
Potting, J. et al. (2017). Circular Economy: Measuring Innovation in the Product Chain. Den Haag. Online unter: https://www.pbl.nl/uploads/default/downloads/pbl-2016-circular-economy-measuring-innovation-in-product-chains-2544.pdf (Zugriff am, 17.8.2026).
Statistisches Bundesamt (2026): Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts. Online unter: https://service.destatis.de/DE/vgr-monitor-deutschland/bip.html (Zugriff am 13.8.2026).
UBA (2026): Entwicklung des Verpackungsaufkommens in Tausend Tonnen. Online unter: https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/2_Tab_Entwicklung-Verpackungsaufkommen_2026-03-05.xlsx (Zugriff am 13.8.2026).





