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Der Schlüssel zum Gemeinwohl – Teil 2

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Die Klimaerwärmung schreitet voran, unerbittlich und vielleicht sogar schneller noch als bis vor kurzem von den Expert*innen des IPCC vorausgesagt. Trotzdem handeln die Regierenden nach wie vor viel zu zögerlich. Angesichts dieser Tatsache kann, ja darf nicht mehr davon ausgegangen werden, dass angemessene Maßnahmen „schon noch irgendwie rechtzeitig“ ergriffen werden – erst recht nicht auf internationaler Ebene. Wie im ersten Teil dieses Artikels beschrieben, wäre schließlich nichts weniger als eine ökologisch-soziale Transformation des Gesellschaftssystems erforderlich.

Was also können die Regierten  tun? Meine Antwort mag zunächst wie eine Zumutung erscheinen, und in gewissem Sinne ist sie das auch. Sie lautet schlicht: Lasst uns nicht mehr mitmachen! Jede*r tut alles, was sie*er kann.

Wie das aussehen soll? Wir könnten Gemeinwohl-Genossenschaften  gründen. Das wären Zusammenschlüsse von Menschen, die sich zum Ausstieg – oder vielmehr zum Umstieg – verabreden. Ein Ausstieg aus einer Gesellschaft, wie wir sie kennen. Ein Umstieg in eine, die wir gemeinsam neu gestalten. Wichtig ist, dass es dabei nicht darum geht, sich abzukapseln, sondern eine gesellschaftliche Debatte auszulösen.

Die Mitglieder der Gemeinwohl-Genossenschaften setzen sich also zum Ziel, ihr Leben Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten, indem sie beispielsweise verabreden, ihre gemeinsame Ökobilanz in einem angemessenen Zeitraum auf ein für die Erde erträgliches Maß zu begrenzen. Dabei unterstützen sie sich und spornen sich gegenseitig an.

Gemeinwohl-Genossenschaften wären somit

  • die Grundlage für einen Marktplatz gemeinwohlorientierter Produkte. Denn die Genossenschaftsmitglieder kaufen nur noch das, was ihren selbst gesetzten Nachhaltigkeitszielen entspricht. Letztlich bilden sie also Einkaufsgenossenschaften, die einerseits gemeinwohlorientierte Unternehmen unterstützen und andererseits von diesen vielleicht auch Mengenrabatte erhalten, welche wiederum in gemeinnützige Zwecke investiert werden können;
  • Orte, an denen dem Kapital der Boden unter den Füßen weggezogen wird – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn analog zu bereits existierenden Vorbildern kaufen die Mitglieder der Genossenschaften gemeinsam Grundstücke und bewirtschaften diese nachhaltig, gewinnen dort vielleicht auch erneuerbare Energie oder wohnen sogar zusammen;
  • der erste Schritt zu einem Wirtschaftskonvent: Die Gemeinwohl-Genossenschaften könnten einen übergeordneten Ausschuss gründen, in dem im Hinblick auf Zukunftstechnologien über Suffizienz, Konsistenz und Effizienz beraten wird;
  • Wählergemeinschaften, die sich, zahlenmäßig im Internet erkennbar, dazu verabreden, nur noch Parteien und Kandidat*innen zu wählen, welche die Ökosoziale Marktwirtschaft – einschließlich der Integration deliberativer und direktdemokratischer Elemente – unterstützen;
  • nicht nur reale Orte des Diskurses und der Vernetzung, sondern auch virtuelle Knoten im Internet, an denen die Transformation sichtbar wird. So entsteht einerseits Motivation zum Mitmachen und andererseits entsprechender Handlungsdruck auf diejenigen, die über politische oder ökonomische Macht verfügen.

Gemeinwohl-Genossenschaften könnten ein Weg sein, die dringend benötigte ökologisch-soziale Transformation auf friedliche Weise mit legalen Mitteln von unten zu initiieren. Brechen wir auf!

1 Kommentare

  1. Ökosozialer Kapitalismus funktioniert viel einfacher.

    Die demokrtisch ermittelten Handlungen werden finanziell gefördert, die nicht gewollten werden behindert.
    Dies gelingt einfach durch höhere Steuern auf Boden-, Rohstoffe und deren umweltbelstender Verbrauch (CO2), sowie die Umverteilung der erhöhten Steuern als Öko-Bonus an alle Bürger pro Nase. Die Höhe er Steuer kann angepasst werden, wenn das Ziel schneller erreicht werden soll.

    Das Gleiche Prinzip bildet das sogenannte „Helikopter-Geld“ auf der viruellen Ebene, dem staatlichen Leistungs-Ersatz.
    So haben wir Gas und Bremse, aber auch ein demokratisches Lenkrad um die gesellschaftlichen Ziele langsamer oder schneller zu erreichen.

    Das damit auch Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit für alle erhöht wird, sein nur am Rande erwähnt.

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