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Absage an Merz‘ Politik: Postwachstumsbericht der UN

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Ein Jahr lang hat eine vom Generalsekretär der Vereinten Nationen eingesetzte ExpertInnen-Kommission darüber beraten, wie wir Wohlstand besser erfassen können. Der entsprechende Bericht ist vor wenigen Wochen erschienen. Das wenig überraschende Ergebnis: Ein einseitiger Fokus auf ‘Geldzählen’ – also auf die Steigerung des Bruttoinlandsproduktes – ist nicht der richtige Weg. Das Dokument macht alternative Vorschläge, wie wir Fortschritt und unseren Wohlstand besser messen. Er setzt damit einen Gegenpol zu der von Kanzler Merz hartnäckig vorgetragenen Losung, Deutschland müsse jetzt mit einer Kraftanstrengung wieder mehr BIP-Wachstum hinbekommen. Ich habe mich in einem Video damit auseinandergesetzt, was dieser Bericht für unsere Politik und unsere Lage bedeutet:

Bemerkenswert erscheint außerdem, dass der Bericht der Vereinten Nationen von den deutschen Medien fast vollständig ignoriert worden ist. Normalerweise wäre zu erwarten, dass JournalistInnen sich damit beschäftigen und auch die Politik damit konfrontieren. Man könnte den Bundeskanzler schon danach fragen, was er davon hält, dass eine ExpertInnen-Kommission der UN ihn auf dem falschen Weg sieht. Wenige Tage nachdem ich das Video gepostet hatte, habe ich auf meinem Kanal gefragt, ob die NutzerInnen von diesem Bericht irgendwo in den Medien gehört haben. Die 1.600 Antworten sind sicherlich nicht repräsentativ für die Bevölkerung der Bundesrepublik – aber wenn selbst diese eher überdurchschnittlich interessierte Gruppe nichts dazu in den Medien gefunden hat, kann man wohl davon ausgehen, dass es auch nichts gegeben hat:

youtube-survey.jpg

Copyright: Martin Oetting

Ich sehe das als ein Medienversagen, wenn die größte Frage unserer Zeit – wie geht unsere Politik mit der Erfolgsmessung unserer Wirtschaft um? – hierzulande in keinster Weise kritisch behandelt wird.

1 Kommentare

  1. Karsten sagt am 17. Juni 2026

    Ich bin weit davon entfernt, unsere Medien pauschal abzuwatschen. Aber in der Tat fragt man sich, nach welchen Kriterien da eigentlich die Themen ausgewählt werden. Der Wohlstandsbericht der UN ist ein Beispiel, die Deregulierung der Grünen Gentechnik in der EU ein anderes. Das sind Themen, die uns alle ganz konkret betreffen. Ein neues KI-Bildchen, dass Trump nachts online stellt, ist es nicht.

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