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Warum sich die VWL an deutschen Hochschulen ändern muss

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Die VWL muss sich wieder (!) als Teil der Sozialwissenschaften, und nicht als neoklassische  Kunstlehre, die besser in der rationalen Philosophie aufgehoben ist, begreifen. Die VWL muss sich viel interdisziplinärer verstehen und eng mit der Psychologie, der Soziologie und der Neurobiologie zusammenarbeiten, um zu - für die Realität - aussagekräftigen und nützlichen Erkenntnissen zu gelangen. Die VWL muss sich auch viel mehr mit dem beschäftigen, was Menschen wirklich wollen (Glücksforschung) und wie Menschen sich tatsächlich verhalten (Behavioral Economics). Beides ist entscheidend für Empfehlungen und Forderungen an die (Wirtschafts-) Politik – eine (besser die) zentrale Aufgabe der VWL!

Die Ergebnisse der interdisziplinären Glücksforschung sind gerade dabei, eine Epochenwende herbeizuführen: Weg vom Denken in Kategorien des Wirtschaftswachstums, hin zum Denken in den Kategorien eines „besseren Lebens“. Es geht nicht mehr um eine Erhöhung des Einkommens, sondern um eine Steigerung der Lebensqualität, die letztlich Ausdruck im subjektiven Wohlbefinden findet, und beides sind zwei ganz verschiedene Dinge: Mehr Einkommen macht uns (nicht mehr) glücklich(er). „Neuere Ansätze in der Volkswirtschaftslehre (‚Glücksforschung‘) untersuchen den Zusammenhang zwischen steigenden Einkommen und Wohlergehen und kommen zu dem Ergebnis, dass selbst wenn die Zunahme des BIP zu einer Steigerung des objektiven Wohlstands führt, dies nicht gleichbedeutend ist, dass es den Menschen subjektiv besser geht“ (ifo-institut 2011). Um es auf den Punkt zu bringen: Nicht der objektive Wohlstand – gemessen am Materiellen –, sondern das subjektive Wohlbefinden ist das, was letztendlich zählt. Dies vor Augen, kommt es aber zu ganz anderen (wirtschafts-) politischen Empfehlungen (siehe hierzu etwa den Better Life Index der OECD).

Kern der Neoklassik ist eine schlichte Annahme: Alles, was die Neoklassik letztendlich zu sagen hat, baut auf der Fiktion des Homo oeconomicus auf, d.h. es wird in allen Modellen ein typisches Wirtschaftssubjekt unterstellt, das sich wie ein Homo oeconomicus verhält. Ein Homo oeconomicus ist ein „Konstrukt“, das vollkommen rational denkt, absolut willensstark („zeitkonsistent“) ist und rein egoistisch seinen Nutzen/ Gewinn maximiert. Der Mensch wird nach dieser Sichtweise zu einem bloßen „Maschinenmenschen“ à la de la Mettrie bzw. einem  Automaten vereinfacht. Kahneman fasst den aktuellen Erkenntnisstand der Behavioral Economics in seinem BuchSchnelles Denken, Langsames Denken“ (2012) zusammen. Zur Rationalitätsannahme verstanden als „logische Kohärenz“, d.h. als logisch widerspruchsfreie Entscheidungen (Kahneman 2012: 508), dem zentralen Axiom der Neoklassik, führt er aus: "Eine Theorie, die diesen Namen verdient, behauptet, dass gewisse Ereignisse unmöglich sind - sie ereignen sich nicht, wenn die Theorie wahr ist. Wird ein "unmögliches" Ereignis beobachtet, gilt die Theorie als widerlegt. Theorien können noch lange Zeit, nachdem sie durch schlüssige Beweise widerlegt wurden, fortbestehen, und das Modell des rationalen Agenten hat die empirischen Belege, die wir gesehen haben, und auch viele andere Gegenbeweise überdauert" (Kahneman 2012: 460). „Die Definition von Rationalität als Kohärenz ist in einer wirklichkeitsfremden Weise restriktiv; sie verlangt die Einhaltung von Regeln der Logik, die ein begrenzter Intellekt nicht leisten kann“ (Kahneman 2012: 508f). (Wirtschafts-) politische Empfehlungen, die auf der Neoklassik fußen, können daher zu gravierenden Fehlentscheidungen führen.

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1 Kommentare

  1. Sabine sagt am 22. Januar 2014

    Zuerst war mir nicht klar, was VWL mit Neurobiologie zu tun haben könnte. Aber beim weiteren Lesen, insbesondere über Glücksbotenstoffe etc., habe ich den Zusammenhang dann schon begriffen. Ich stelle es mir allerdings nicht ganz einfach vor, die verschiedenen Wissenschaften beim Studium miteinander zu vermischen. Grundsätzlich halte ich es aber schon für wichtig, den Studiengang VWL zu renovieren, um die Inhalte an die mittlerweile fortgeschrittene Realität anzupassen.

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