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Postwachstumsökonomie als demokratische Herausforderung

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Wie eine Postwachstumsgesellschaft aussehen könnte, kann heute niemand vorhersagen. Vermutlich wird es sehr unterschiedliche Ausprägungen geben, je nachdem, auf welche Art und Weise die Transformation von einer rücksichtslosen, auf Konkurrenz und Gewinnerzielung basierenden Wachstumsökonomie hin zu einer Wirtschaftsweise, die sich am Erhalt der Natur als Lebensgrundlage aller Menschen auf dieser Erde orientiert, stattfindet. Übergänge unter den Bedingungen von Katastrophen und unabweisbaren Sachzwängen werden andere Strukturen hervorbringen als Veränderungsprozesse aufgrund freiwilliger Übereinkünfte.

Wer entscheidet wie gewirtschaftet wird?

Die Wege in eine Postwachstumsgesellschaft werfen Fragen der Demokratie und Gerechtigkeit auf: Wer entscheidet darüber, was mit welchen Materialien und in welcher Menge produziert wird? Wie ist der Zugriff auf die natürlichen Ressourcen geregelt? Wer legt Arbeitsprozesse und –bedingungen fest? Und wie werden Produkte und Leistungen verteilt? Eine Fabrik im Besitz der Belegschaft kann zum Beispiel anders agieren als ein Unternehmen, das eine zweistellige Kapitalrendite abwerfen muss. Das selbstverwaltete Unternehmen wird auf den langfristigen Erhalt seiner Produktionsmittel achten, qualitativ hochwertig produzieren und sich um dauerhaft kooperative Beziehungen zu seinen Stakeholdern bemühen.

Weltweit gibt es viele Beispiele Solidarischer Ökonomien

Beispiele wie der weltweit größte Genossenschaftsverbund Mondragon in Spanien, die Genossenschaft Cecosesola in Venezuela, der Sektor der Solidarischen Ökonomie in Brasilien oder das internationale Projekt Longo Mai beweisen seit Jahrzehnten, dass Selbstverwaltungswirtschaft funktionieren kann. Sie lässt sich nicht von oben verordnen, sondern entsteht, indem Menschen sich die wirtschaftlichen Prozesse aneignen, die sie zum Leben benötigen.

Im Immobiliensektor, in Land- und Energiewirtschaft, im Handwerk und Dienstleistungsbereich gibt es unzählige, meist kleine Ansätze anderen Wirtschaftens. Was wird sich in den Zukunftsbranchen Mobilität und Kommunikation demokratisch entwickeln? Wie wird zum Beispiel der Flugverkehr funktionieren, wenn er nicht mehr Gewinne abwerfen, sondern Bedürfnisse befriedigen soll? Werden auch unter wirtschaftsdemokratischen Bedingungen weiterhin Seltene Metalle verwendet? Und wann werden Menschen aufhören, ihre kostbare Lebenszeit mit der Entwicklung und Produktion von Waffen zu vergeuden?

Wenn Menschen sich organisieren…

Wenn Menschen sich organisieren und solidarisch gemeinsam ihr Leben selbst gestalten, werden sie Formen der Zusammenarbeit, der Kultur der Kommunikation und Entscheidungsfindung in Wirtschaft und Gesellschaft und zukunftsfähige Technologien entwickeln, die wir uns heute nur begrenzt vorstellen können.

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von

Als Betriebswirtin und Publizistin ist Elisabeth Voß tätig in den Bereichen solidarische Ökonomien, genossenschaftliche Unternehmungen, Hausprojekte und Selbstorganisation in Wirtschaft und Gesellschaft. Sie ist Redaktionsmitglied und Autorin der CONTRASTE - Monatszeitung für Selbstorganisation sowie Autorin des Buches "Wegweiser Solidarische Ökonomie: Anders Wirtschaften ist möglich!" (Neu Ulm 2010, AG SPAK Bücher)

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