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Keine Rücknahme um der Rücknahme willen

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Dass sowohl Degrowth als auch Postwachstum alles andere ist als „eine Strategie zur Schrumpfung des BIP“ verdeutlicht Giorgos Kallis in seinem Beitrag auf dem Degrowth Blog.

Eine Wachstumsrücknahme wird von Postwachstumsvertreter/innen nicht um der Reduktions willen gefordert, sondern um all die negativen Auswirkungen – sowohl ökologischer als auch sozialer Natur -, die mit immer mehr wirtschaftlicher Aktivität einhergehen, zunächst abzuschwächen und langfristig zu überwinden.

Wachstumsrücknahme bzw. die Überwindung von Wachstumszwängen wird nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern als notwendiges Mittel für das Erreichen sowohl ökologischer als auch sozialer Ziele und der Gewährleistung eines (!) guten Lebens für alle. Die Motivation für die Forderung nach einer Postwachstumsgesellschaft hat somit im Kern einen emanzipatorischen Charakter: Oberstes Ziel ist die Freiheit, und zwar nicht nur die einer vergleichbar kleinen Gruppe, die unter bestehenden Verhältnissen von der Ausbeutung von Mensch und Natur wirtschaftlich profitiert, sondern die Freiheit aller Lebewesen nicht nur heutiger, sondern auch zukünftiger Generationen.

Giorgios Kallis grenzt in seinem Beitrag auch eine bewusst konzipierte („by design“) Postwachstumsgesellschaft klar von „degrowth by disaster“ ab: Ein durch Wirtschafts- und Finanzkrisen hervorgerufenes oder auch als Folge einer säkularen Stagnation auftretendes geringeres Wirtschaftswachstum mit verheerenden sozialen Folgen hat nichts mit einer Degrowth-Idee zu tun. Zwar kann es als Katalysator für den Postwachstumsdiskurs dienen, in einer bewusst gestalteten Postwachstumsgesellschaft wird jedoch trotz oder gerade durch eine geringere und veränderte wirtschaftliche Aktivität ein größerer gesellschaftlicher Wohlstand – und hier ist die breite Begriffsauslegung zu beachten, die sehr viel mehr meint als Konsum ermöglichendes finanzielles Wohlergehen – realisiert.

Lesen Sie hier den englischsprachigen Artikel von Giorgos Kallis auf dem Degrowth Blog.

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Lisa Cames hat Philosophie und Kunstgeschichte studiert und sich ausgehend von ihrem Interesse für gesellschaftstheoretische Fragestellungen für ein Zweitstudium der VWL entschieden. Seit 2015 ist sie studentische Mitarbeiterin im Redaktionsteam des Blogs Postwachstum.

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